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Alte Fotos reproduzieren, Teil 2: Grob-Tuning im Raw-Entwickler

Das in Teil 1 digitalisierte 98 Jahre alte Familienfoto soll im nächsten Schritt als Raw-Bild entwickelt werden. Da das Original ein sepiagetöntes Schwarzweissbild ist, soll nun auch die Reproduktion wieder auf Schwarzweiss reduziert werden – unabhängig davon ob das Endergebnis wieder getönt werden soll.

Raw entwickeln in RawTherapee

Raw entwickeln in RawTherapee

RAW oder JPG – welches Format möchte ich?

Ich gehöre selbst zu den Fotografen die fast immer JPG + RAW fotografieren, aber meist nur das JPG-Foto entwickeln. Doch in diesem Fall und anbetracht der von mir verwendeten Werkzeugen ist es hier nicht ratsam nur mit JPG-Dateien zu hantieren. Warum eigentlich nicht? Nun weil:

  • Kammartiges Histogramm - zu wenig Tonwerte

    Kammartiges Histogramm - zu wenig Tonwerte

    ein Farb-JPG eine Farbtiefe von 3*8 Bit (3 Kanäle: rot, grün, blau) hat,
    jedes Pixel also 24 Bit (3 Byte) für die Farbkodierung verwendet,
    das entspricht den bekannten 16 Millionen 777 Tausend 216 Farben

  • ein einfarbiges JPG nutzt nur 8 Bit Farbtiefe (für einen Kanal),
    im Bild werden nur Schwarz, Weiß und 254 Graustufen dazwischen benutzt *

* Ein kleiner Ausflug in die Farbwahrnehmung. Das menschliche Auge kann ca. 60 Graustufen von einander unterscheiden, ein gut kalibrierter Monitor stellt ungefähr 220 Graustufen dar. 256 Graustufen darstellen zu können klingt nicht nach viel, überschreitet aber das Wahrnehmbare deutlich. Was Farbtöne betrifft kann das menschliche Auge allerdings sehr viel feinere Unterschiede differenzieren.

  • ein RAW-Foto je nach Kamera 10 bis 14 Bit Farbtiefe hat,
    das entspricht mindestens 1 Milliarde Farbschattierungen

Bei der Entscheidung für’s richtige Dateiformat gibt es noch mehr zu bedenken:

  • Mit wieviel Bit Farbtiefe arbeiten die eigenen Bildbearbeitungsprogramme?
    Photoshop kann mit 16 Bit Farbtiefe pro Kanal arbeiten, GIMP nur mit 8 Bit.
  • Ab welchem Schritt wird mit geringem Tonwertumfang weitergearbeitet?
    In meinem Fall wird nach der RAW-Entwicklung mit einer Farbtiefe von 8 Bit pro Kanal weitergearbeitet (XCF, TIF oder JPG), wer ausnahmslos mit Lightroom (und Photoshop) arbeitet wechselt erst mit dem speichern als JPG in die 8-Bit-Welt.

Es ist also wichtig mit welchen Farbtiefen / Tonwertumfängen die Werkzeuge im eigenen Workflow umgehen können und wann man auf welche Dateiformate umsteigt. Wer hier früh im Workflow die falschen Entscheidungen trifft, bekommt auf einmal ein Histogramm wie oben abgebildet. Das Histogramm hat eine Kammstruktur, es fehlen also einige Tonwerte völlig. Wahrnehmbar oder nicht, Verarbeitungschritte die den Tonwertumfang reduzieren sollten zum Schluss durchgeführt werden (das gleiche gilt für die Reduzierung der Auflösung, Schärfung, etc.).
Da ich mit GIMP 2.6.x einen Pixeleditor benutze der mit maximal 8 Bit pro Farbkanal kodiert, habe ich hier also ein kleines Handicap geerbt. Kein Problem, wenn man Bearbeitungsschritte bei denen der Tonwertumfang reduziert wird startet bevor das Bild in GIMP bearbeitet wird.

Schwarz-Weiss macht vieles einfacher

Schwarz-Weiss macht vieles einfacher

Deswegen wurde hier mit RAW-Format und mit der Entwicklung des Fotos in RawTherapee begonnen.

Einfache Schritte in der RAW-Entwicklung

Die Beschränkung auf ein schwarzweißes Ergebnis vereinfacht die Entwicklung erheblich. Die folgenden Schritte wurden in RawTherapee durchgeführt, funktionieren in anderen Programmen wie Lightroom oder UFRaw aber ganz ähnlich.

  1. Das Histogramm bearbeiten
    Der Screenshot rechts zeigt das Histogramm nach der Bearbeitung, unbearbeitet nutzte es nur ca. 60% der möglichen Tonwerte (16 Bit pro Farbkanal, im Falle von RawTherapee).
    Im vorliegenden Fall wurde mit dem Regler “Schwarzpegel” zuerst der linke Rand des Histogramms (dunkle Tonwerte, unter Bildbearbeitern auch Tiefen oder auch Schatten genannt) justiert (siehe 1a im Screenshot).
    Anschließend konnte mit dem Regler “Belichtungskorrektur” der rechte Rand des Histogramms (helle Tonwerte, sog. Höhen oder auch Lichter) ausgerichtet werden (siehe 1b im Screenshot).
  2. Kurvenanpassung und Kontraste
    Im zweiten Schritt können mit dem Kurvenwerkzeug oder mit den Reglern “Helligkeit” und “Kontrast” (siehe 2 im Screenshot rechts) weitere Anpassungen vorgenommen werden. Davon wurde hier kein gebrauch gemacht.
  3. Weißpunkt und Farbkorrekturen
    Entfällt hier, da die Aufnahme im nächsten Schritt vollständig entsättigt wird.
  4. Entsättigen
    Dazu wird mit dem Regler “Sättigung” jegliche Farbe aus dem Bild entfernt, es wird “entsättigt” (siehe Screenshot rechts, 3).

Vielleicht ist diese Kurzanleitung für Anfänger ein wenig zu kurz. Sie sollte aber genug Stichworte bieten um in der Onlinehilfe der eigenen Grafikbearbeitung oder einem passenden Tutorial schnell die richtigen Schritte nachvollziehen zu können.

Bitte eines dabei nicht vergessen: die folgenden Schritte finden in einem vollwertigen Bildbearbeitungsprogramm statt. Es macht also keinen Sinn bereits im RAW-Entwickler Weerkzeuge wie Schärfen, Weichzeichnen, Aufhellen oder Abdunkeln zu nutzen. Teil 3 dieser Serie zeigt wie mit dem Klon- und Heilen-Werkzeug unschöne Stellen im Foto repariert werden und wie fehlende Bildteile per cut-and-paste erstellt werden. Teil 4 befasst sich dann mit der behutsamen Retusche der Gesichter.

Unbearbeitet vs. Raw-Entwicklung

Unbearbeitet vs. Raw-Entwicklung

Inhalte der Serie "Fotos reproduzieren"

  1. Das Geschenk und der 98-Jahre-Workflow
  2. Alte Fotos reproduzieren, Teil 1: ein Foto wird digitalisiert
  3. Alte Fotos reproduzieren, Teil 2: Grob-Tuning im Raw-Entwickler

Alte Fotos reproduzieren, Teil 1: ein Foto wird digitalisiert

Vor  Beginn einer fotografischen Reproduktion wie in Das Geschenk und der 98-Jahre-Workflow stellt sich die Frage: wie wird aus dem (analogen) Abzug eine digitale Bilddatei die am eigenen PC weiterverarbeitet werden kann? Mit der eigenen Ausrüstung, versteht sich.

Digitalisiertes, aber unbearbeitetes Foto

Digitalisiertes, aber noch unbearbeitetes Foto

Wege in den Computer.
Über den passenden Weg für diesen Medienbruch entscheidet auch die Art der Vorlage. Grundlegend bleibt die Wahl zwischen

  • Flachbettscanner
  • Trommelscanner (gut … und teuer)
  • Abfotografieren (bspw. mit einer Reprokamera)
  • (Büro-)Fotokopierer mit Scanfunktion (für Lithographien)

Im Fall des hier vorliegenden, schwarzweißen Abzugs, der vorhandenen Ausrüstung und keinen zu hohen Anforderungen an die Auflösung des Scans entschied ich mich hier für das Abfotografieren mittels einer DSLR.

Reprofotografie.
Auf die folgenden Punkte sollte man grundsätzlich bei jeder Reproduktion achten (s. a. Bilder unten):

  1. Handschuhe tragen (wegen Fett und Schweiß)
  2. Oberfläche entfusseln / reinigen (mit Blasebalg, Pinsel)
  3. Planlage des Bildes sicherstellen (ggf. Glasplatte oben drauf)
  4. die optische Achse exakt senkrecht zur Mitte der Vorlage ausrichten, Sensorebene und Vorlage liegen exakt parallel zueinander
  5. die Kamera sehr stabil befestigen (z. B. mit Reprostativ) und ggf. einen Fernauslöser und Spiegelvorauslösung benutzen
  6. ein gutes verzeichnungsfreies Objektiv benutzen und dabei schön abblenden
  7. feinfühliges Fokussieren, am besten mittels Frontlinse-Objekt-Abstand (nicht mit dem Fokussierring am Objektiv)
  8. eine Fokussierhilfe (bspw. Sucherlupe, Winkelsucher mit Vergrößerung, LiveView mit Vergößerung) benutzen
  9. den Weißabgleich der Kamera auf Objektbeleuchtung anpassen (Reflexionen an farbigen Flächen beachten)
  10. reflexfreie Beleuchtung überprüfen (bei planen Vorlagen im 45°-Winkel, Prinzip Eintrittswinkel = Austrittswinkel)

Wie es hier gemacht wurde.
Der vorliegende Fall hat vieles leichter gemacht: das Bild war Schwarzweiß und es wurde von einer Seite Tageslicht beleuchtet (siehe 9 und 10, der Reproarbeitsplatz ist direkt am Fenster). Die Vorlage war nach 90+ Jahren im gleichen Rahmen plan (3), dass mit dem Tisch verschraubte Reprostativ mit kurbelbewegtem Kameraschlitten (4, 5 und 7) war beim Fokussieren sehr angenehm. Als Objektiv kam ein 50mm-Makroobjektiv an einer Cropsensor-DSLR mit Kabelauslöser zum Einsatz, zur Fokuskontrolle wurden ein Winkelsucher mit Vergrößerungsfunktion und LiveView eingesetzt (6, 8). Die folgenden Bilder zeigen die nach unten schauende Kamera am Reprostativ.

Ein weiterer Punkt der hier ebenfalls unkritisch war: die Belichtung sollte nach jeder Aufnahme im Histogramm überprüft werden und der ganze Aufbau sollte erst dann abgebaut werden, wenn die Schärfe am Monitor bei 100% geprüft wurde. Tethering kann hierbei helfen, Geld würde ich dafür allerdings nicht investieren. Fotografiert wurde in JPG und RAW (es wurden nur die RAW-Aufnahmen verarbeitet).

Alternativen zum Reprostativ.
Klar, das Reprostativ erlaubt ein sehr komfortables arbeiten, es geht aber auch ohne. Wer für seltene Reproeinsätze sein Dreibeinstativ einsetzen möchte, sollte sich auf jeden Fall eine Libelle (kleine Wasserwaage, hilft auch kleinste Erschütterungen schnell zu Erkennen) für den Zubehörschuh der Kamera besorgen und etwas mehr Zeit zum einstellen des Stativkopfes mitbringen. Kurze Belichtungszeiten sind ratsam, mit Blitzbeleuchtung auch kein Problem.
Doch nicht vergessen: in der eBucht gibt es zeitweilen günstige Reprostative in gut erhaltenem Zustand und aus einem alten Vergrößerer lässt sich mit wenig Mühe ebenfalls eine perfekte Lösung selbst bauen.

In Teil 2 dieser kleinen Serie wird das nun digitalisierte Foto im Raw-Entwickler entsättigt und die Kontraste angehoben. Selbstverständlich mit kostenfreier (Open Source) Software, UFRaw und alternativ RawTherapee. Doch keine Angst, alles lässt sich auch mit anderen Raw-Entwicklern leicht nachmachen.

Inhalte der Serie "Fotos reproduzieren"

  1. Das Geschenk und der 98-Jahre-Workflow
  2. Alte Fotos reproduzieren, Teil 1: ein Foto wird digitalisiert
  3. Alte Fotos reproduzieren, Teil 2: Grob-Tuning im Raw-Entwickler

[...] in Teil 1 digitalisierte 98 Jahre alte Familienfoto soll im nächsten Schritt als Raw-Bild entwickelt werden. [...]

Das Geschenk und der 98-Jahre-Workflow

Vom Unikat eines alten Familienfotos, dessen Reise durch halb Europa, wie es 98 Jahre nach der Belichtung dank digitaler Bildbearbeitung zu neuem Leben kam und einige der Gedanken die auf diesem Wege entstanden.

Original und Reproduktion

Original und Reproduktion

1913, ein Tag im Frühjahr/Sommer, in einem osteuropäischen Land.
Es ist ein schöner Tag und sie haben sich entschlossen etwas gemeinsam zu tun, was wahrscheinlich für sie alle das erste mal in ihrem Leben ist. Sie werden sich fotografieren lassen. Es war kein schneller Entschluss, denn Fotografien sind teuer. Dennoch ziehen Sie ihre Tracht an und machen sich zu fünft auf einen zweistündigen Weg in die nächst größere Stadt, zum dortigen Fotografen. Der Fotograf (möglicherweise ein Wanderfotograf) positioniert sie vor seiner Kamera aus Holz und lichtet sie ab. Drei Generationen zeigt das Bild.

1946, Abschied von der Heimat.
Ihre Familien sind vor über zweihundert Jahren aus Schwaben hierher gekommen und haben hier eine neue Heimat gefunden. Doch der Krieg ist vorbei und als Angehörige einer deutschen Minderheit sind sie unerwünscht. Sie packen ein was sie tragen können. Die kleine Fotografie wird ebenfalls eingepackt. Die Gruppe auf dem Foto ist allerdings nicht mehr komplett. Der kleine Junge auf dem Foto ist herangewachsen, hat selbst geheiratet, ist Vater zweier Töchter geworden, wurde zur Wehrmacht eingezogen und gilt an der Ostfront als verschollen.  Die Fotografie ist die einzige die von ihm erhalten ist. So wird die Großfamilie mit Tausenden anderer per Zug nach Deutschland geschickt.

Ende der 1950er Jahre, Deutschland, Hessen.
Beide Töchter sind zwischenzeitlich verheiratet und die Mutter überlässt ihrer jüngsten Tochter die Fotografie die ihren Vater zeigt (den kleinen Jungen), an den sie sich kaum noch erinnern kann.

2011, im Herbst.
Es kommt wieder mal völlig unerwartet, der Geburtstag meiner Lieblingstante steht auch dieses Jahr wieder kurz bevor. Was schenke ich ihr? Die guten Ideen und ein paar weniger gute habe ich in den letzten Jahren … weiterlesen –>

Was war, was ist, was auf uns zukommt » blog.intermayer.com (0 comments)Dienstag, 27. Dezember 2011 - 20:46:53

[...] Zugegeben, im Blog hat sich diese Dynamik nicht gespiegelt. Dennoch hat sich auch bei mir in 2011 Einiges in Sachen Fotografie getan. Ich durfte manches beobachten, ein paar kleine Erfahrungen machen und dazu eine Menge Gedanken. Zum Beispiel: so hat mich eine alte Fotografie aus dem Familienfundus mehr und Wertvolleres gelehrt, als 28 Jahre im Umgang mit einer SLR-Kamera. Doch dazu zwischen den Jahren mehr bei der Geschichte “Das Geschenk und der 98-Jahre-Workflow“. [...]

[...] Beginn einer fotografischen Reproduktion wie in Das Geschenk und der 98-Jahre-Workflow stellt sich die Frage: wie wird aus dem (analogen) Abzug eine digitale Bilddatei die am eigenen PC [...]

Was war, was ist, was auf uns zukommt

Jau, ein spannendes Jahr war 2011 allemal. Gleich ob der eigene Blick auf’s Weltgeschehen, auf Entwicklungen in der Fotografie oder die Entwicklungen im eigenen Leben fällt. Was für ein Jahr!

Zugegeben, im Blog hat sich diese Dynamik nicht gespiegelt. Dennoch hat sich auch bei mir in 2011 Einiges in Sachen Fotografie getan. Ich durfte manches beobachten, ein paar kleine Erfahrungen machen und dazu eine Menge Gedanken. Zum Beispiel: so hat mich eine alte Fotografie aus dem Familienfundus mehr und Wertvolleres gelehrt, als 28 Jahre im Umgang mit einer SLR-Kamera. Doch dazu zwischen den Jahren mehr bei der Geschichte “Das Geschenk und der 98-Jahre-Workflow“.

Was sich in Sachen Fotoausrüstung entwickelt hat, ließ mich allerdings selten so kühl wie in diesem Jahr. Stattdessen habe ich gelernt mit bereits vorhandener Ausrüstung bessere Ergebnisse zu erreichen. Und der Sack mit Ideen für meine Fotografie und Geschichten auf diesem Blog ist wieder prall gefüllt (aber wann war das jemals anders?) und die ein oder andere wird es natürlich auch ins Netz schaffen.

Deswegen wünsche Euch, den Lesern dieser Zeilen, frohe Festtage, eine gute Zeit zwischen den Jahren und einen guten Start in 2012. Wie ich mich auf dieses Jahr freue! Wir lesen uns wieder. Versprochen.

P.S.: das Bild dort oben zeigt ein Pinsel-und-Schwamm-Bodypainting der luxembourger Künstlerin Lynn Schockmel, so gesehen beim World Bodypainting Festival 2011 in Pörtschach.

Bill Tür’s kleine Schwester

Bill Tür

-- Bill Tür's kleine Schwester --

Draußen wird es immer seltener richtig hell, die Natur hat ihre Farbenpracht für dieses Jahr abgelegt, was bleibt da besseres als die Zeit zu nutzen ein paar Bilder aus dem Sommer 2011 zu bearbeiten.

Zu sehen ist ein Facepainting der Künstlerin Nadja Hluchovsky, fotografiert beim World Bodypainting Festival 2011 in Pörtschach, Österreich.
Der Titel des Bildes stammt von mir (nicht von der Künstlerin) und muss wohl etwas mit einem Buch zu tun haben, das ich erst kürzlich las …

RAID + Unkenntnis = Katastrophe

Klar waren Lenny’s [Name geändert] Daten sicher, schließlich hatte er sie ja auf einem NAS mit RAID-Technik deponiert. Dort lagerten zehntausende Fotos, zahllose Musik- und Arbeitsdaten. Kein Grund anzunehmen das sie dort nicht so sicher waren wie in Fort Knox. Bis der Tag kam an dem er alle Daten verlor.

Es ist schon merkwürdig wie manchmal in unterschiedlichsten Informationskanälen in verschiedenen Stories ein und dasselbe Thema auftauchen. So war bei Adrian Ahlhaus unlängst ein Beitrag zum Thema Datenaufbewahrung zu lesen, eine Weile her lief eine interessante Frage bei Fotografr und ich stolperte diese Woche in einem Kundenforum über eine bewegende Geschichte. In der hier berichteten Geschichte schloß ein Benutzer sein RAID-System an einen speziellen kommerziellen NAS zu betreiben und … lest selbst.

Just bought the XSchmumpf [Name geändert] device yesterday. Plugged it into a small portable drive to test and setup and found it to be easier than I imagined. Annoyed that the drive is always spinning (never goes to sleep) but otherwise impressed.

Ich besitze das Gerät selbst und hatte es zu Testzwecken im Betrieb. Netzwerkstecker rein, Strom anschließen, USB-Festplatte oder -Stick anschließen und schon sind die Daten via Internet erreichbar. Soweit kann ich seine Ergebnisse bestätigen. Die Idee hört sich gut an, dennoch unterliegen viele Kunden von XSchmumpf dem gleichen Denkfehler … aber dazu vielleicht später mal.

Today I connected my 4TB RAID tower (4x2TB drives) and found that XSchmumpf couldn’t make it work. It showed up as a drive on my Mac sidebar but didn’t actually show any files. After disconnecting it from XSchmumpf and plugging it straight into my computer (MacBook Pro via firewire)…no volumes found. I ran the Mac disk utility and it sees the volume but cannot mount it. Tried several other disk utilities but nothing can restore the data.

Beim Lesen dachte ich mir: sehr ärgerlich. Backups auf ein 4*2TB RAID zu restaurieren ist kein Hexenwerk, dauert aber und ist lästig. Ich spreche aus eigener Erfahrung.

This was EVERYTHING I have from the last ten years. EVERYTHING. Tens of thousands of images. Music. Work documents.
And don’t give me any grief about not having a backup. It was a RAID tower…backups are built-in.

Zugegeben, da war ich sprachlos. Nicht wegen des Datenverlusts, sondern wegen dem Hinweis bei RAID seien die Backups eingebaut. Kann man so falsch informiert sein? Eine spontane Umfrage ergab: man kann, leider haben das viele andere auch wie Lenny verstanden.

Was ist ein RAID?
RAID steht heute für “Redundant Array of Independent Disks” (dt. Redundante Anordnung unabhängiger Festplatten). Dabei werden mehrere physische Festplatten zu einem logischen Laufwerk zusammengefasst. Da die Daten über die physischen Datenträger verteilt werden wird – je nach RAID-Level bzw. -Kombination – der Datendurchsatz höher (schöner Nebeneffekt) und/oder die Datenverfügbarkeit bei Ausfall einer physischen Platte ist gegeben.
Natürlich gibt es auch Produkte wie die von Drobo und von anderen Computer- wie NAS-Herstellern, die Redundanz mit etwas anderer Technik versprechen. Gleich wie verschieden diese von RAID sind, sie haben die Kopie / den redundanten Datenbestand physisch oft im gleichen Gehäuse und alle Datenträger hängen meist im gleichen Stromkreis.

Was ist ein Backup?
Daten werden auf einen anderen Datenträger kopiert, anschließend liegen die Daten eben zweifach (oder eben mehrfach) vor. Es wird mit der Sicherungskopie nicht weitergearbeitet, sie beherbergt also einen eingefrorenen Zustand. Erwähnenswert: beim off-site Backup wird der Sicherungsdatenträger räumlich getrennt vom Original aufbewahrt.

Warum ein RAID kein Backup ist.
Da in beiden Fällen – sowohl beim RAID als auch beim Backup – die Daten doppelt (oder eben mehrfach) vorliegen erscheint erstmal beides gleich. Doch es gibt große Unterschiede (sehr anschaulich ist dies im Blog von Priotecs zusammengefasst):

  • eine Datei zu löschen wirkt sich beim (nicht zusätzlich abgesicherten) RAID umfassend und sofort aus,
    beim Backup ist die gelöschte Datei oft noch in der Sicherungskopie vorhanden,
  • bei Schäden am RAID-Controller können die Daten nicht immer an einem anderen Controller gerettet werden,
  • Feuer- und Wasserschäden, Erdbeben, Diebstahl, Blitzschlag oder Diebstahl bedrohen beim RAID die gesamten Daten,
    mittels eines intakten und halbwegs aktuellen off-site Backups lassen sich die Daten dann noch immer retten.

Fazit.

Jeder Benutzer digitaler Technologie sollte sich mindestens eine Frage stellen: “Was passiert eigentlich wenn alle meine Daten weg sind?”. Die Beratung durch einen Fachmann ist eine gute Idee und wird von mir ausdrücklich empfohlen. Dabei bitte auch Fragen besprechen wie: “Was passiert wenn mein Haus abbrennt oder beim Hochwasser überschwemmt wird?”, “Kann ein Blitzschlag der Lösung nicht schaden?” und “Wenn bei mir eingebrochen wird und das Gerät wird geklaut … was passiert dann?”.

Auf lange Frist gilt: Daten lange behalten wird nur derjenige, der sich auch regelmäßig darum kümmert. Unwissenheit, falsches Wissen, Schludrigkeit, übermäßiges Gottvertrauen und/oder Ignoranz sind sichere Zutaten für eine herannahende Datenkatastrophe. Soll mir Lenny nun wirklich leid tun?

Titelbild September 2011: Meet the Alien Lady

Die Tradition ist nicht in Vergangenheit geraten und so kommt hier wieder ein Titelbild des Monats.

Meet the Alien Lady

Meet the Alien Lady

Zwar ein netter Schnappschuß vom World Bodypainting Festival 2011 in Pörtschach (Österreich), leider mit unruhigem Bildhintergrund (aufgenommen vor dem Zelt von Senjo Color, bei dem Painting handelt es sich um eine Promotion). Für das Titelbild dennoch eine  gute Wahl, die Augenpartie mit dem Ansatz der Ohren entfaltet im Seitentitel dennoch seine Wirkung (die Auflösung des Titelbildes dieser Webseite ist immer 717 * 236 Pixel).