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WBF 2009 – Kampf mit dem Bokeh-Monster

Mittwoch, 16. Dezember 2009

Oder auch: Warum ein lichtstarkes Objektive für viel Geld manchmal ziemlich bockig ist und wie man das Monstrum zähmt um damit gute Bilder zu produzieren.

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Was für’n Bock? Nein nein, es geht um Bokeh und Wikipedia definiert den Begriff so:

Bokeh (von jap. boke „unscharf, verschwommen“ [1]) ist ein in der Fotografie verwendeter Begriff, um die subjektive, ästhetische Qualität von unscharfen Gebieten in einer fotografischen Abbildung zu kennzeichnen, die von einem Objektiv projiziert werden. Es geht dabei nicht um die Stärke der Unschärfe, sondern darum, wie die Unschärfebereiche aussehen.

Wer ein Hohelied über das Bokeh im Allgemeinen hören will wird ja schon bei den Blognachbarn fündig (hier, dort, da, da auch). Auch an Blogposts über das richtige Stück Glas für’s schöne Bokeh herrscht aktuell kein Mangel (siehe bei kwerfeldein, zoomyboy, Martin Bailey).
Dafür geht es in diesem Artikel um die Frage warum sog. “Bokeh-Monstren” auch oft unscharfe Ergebnisse produzieren und wo die Ursachen liegen.

2009-034d-0024-e01-dmgal Bokeh-Monster? Ein Objektiv mit hauchdünner (kurzer) Schärfentiefe, am Fokuspunkt muss die Schärfe dann aber wirklich “knackig” sein.
Von Details  der Objektiv-konstruktion abgesehen gibt es ein paar einfache Faktoren die zu Unschärfe und damit Bokeh beitragen: mittlere bis lange Brennweite, hohe Lichtstärke (1.8, 1.4, 1.2, 1.0), mittlere bis kurze Aufnahmeentfernung. Wenn Bokeh eine Rollse spielt greife ich oft zu Brennweiten mit Offenblende 1.4, hier 50 und 85 mm Brennweite.

Wo liegt das Problem? Leider genau dort wo man es nicht vermutet: viele der Aufnahmen die mit einem Bokeh-Monster entstehen sind unscharf. Genauer: sie sind nicht dort scharf wo es dem Foto gut täte, häufig aber in bildunwichtigen Bereichen. Wie kommts? Bei mir haben die folgende n Punkte zum Problem beigetragen:

  1. Front- und Backfokus (auch lesenswert: Wonco)
  2. Falscher Motivteil fokussiert
  3. Autofokussystem der Kamera überfordert
  4. Schärfekontrolle im Sucher kaum möglich
  5. Fokus and Recompose

1. Front- und Backfokus: 2008-075S-0030-e01-webgal.jpg der Artikel von Wonco ist wirklich lesenswert und lässt kaum Fragen offen. Eigene Efahrung zum Thema: bei einem Objektiv konnte ich Frontfokus gerade noch nachweisen, für mich kein  Thema.

2. Falscher Motivteil fokussiert: ja kommt vor. Bei mir häufig aus Versehen oder in der Hitze des Gefechts. Übung und Erfahrung tragen zur Fehlermeidung bei.

3. Autofokussystem der Kamera überfordert: zu wenig Kontrast unter dem AF-Sensor, zu dunkel, der Sensor ist zu groß, zu langsam, …
Ein hochgezüchtetes AF-System ist kein akademischer Vorteil hier zahlt er sich praktisch aus. Durch die Bank finden sich die performantesten AF-Systeme eher im hochpreisigen Segment wieder. Schade, das wird aber meine zukünftige Kaufentscheidung beeinflussen.

4. Schärfekontrolle im Sucher kaum möglich: 2008-076S-0006-e03-webgal.jpg immer kleiner, dunkler und von vorne bis hinten gestochen scharf – der Blick durchs Sucherokular vieler DSLR ist enttäuschend. Besonders bei Crop-Sensor-DSLR ist das Problem technologisch kaum vermeidbar. Das Problem ist zwar meist nicht ursächlich für unscharfe Bilder, verhindert aber leider die Erkennung und Vermeidung.
Doch Abhilfen sind (manchmal) möglich: für viele Spitzenmodelle sind Suchermattscheiben speziell für die manuelle Schärfebeurteilung verfügbar, eine Sucherlupe kann beim entschleunigten Fotografieren ebenfalls helfen.
Bei meiner nächsten DSLR wird sich das in den Auswahlkriterien wiederfinden.

5. Focus and (then) recompose: 2008-095S-0018-e01-webgal.jpg das Prinzip ist simpel – mit dem besten (oft dem zentralen) AF-Sensor den bildwichtigen Motivteil fokussieren, Fokus festhalten und rekomponieren. Funktioniert extrem gut mit Weitwinkelobjektiven aber mit einem Bokeh-Monster …
Wer  häufig den Fokus statt auf den Augen des Motivs auf dem Ohransatz hat und schon einen Fall von Backfokus vermutet, der sollte mal einen der kritischen Blogposts zum Thema lesen (hier, hier ebenso, wie auch da und dort). Einzig Kamerahersteller Hasselblad scheint bisher daraus gelernt zu haben (siehe Heise und Hasselblad).
Eigenes Fazit: mit Schärfentiefe im Bereich von Millimetern, bei geringer Aufnahmeentfernung und deutlichem schwenken zwecks Recompose ist dieser Fehler signifikant. Focus und Recompose werde ich in solchen Situationen künftig seltener nutzen.

Wie zähmt man nun ein Fokus-Monster? Mein Vorschlag kommt dem ein oder anderen bekannt vor: Übung, Fehleranalyse und lernen (so wie oben beschrieben), weiter üben.
Ein Objektiv vom Schlag eines 1.4 / 85mmm reißt ein spürbares Loch in die Kasse, Übung im Umgang damit ist zwingend notwendig und verglichen mit den Anschaffungskosten unendlich preiswert.

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