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Die Kamera und ich: Abschied vom Spiegel

Freitag, 17. Oktober 2008

In Teil eins ging es um die Geschichte und die Gewöhnung an den Spiegel (der SLR), in diesem Teil nun entwöhne ich mich vom Spiegel und schaue in die Zukunft.

Die Entwöhnung beginnt. Sparzwänge führten schon in der Filmfotografie zu kleineren Spiegeln die nicht mehr das gesamte Sucherbild zeigten. Helligkeit und Größe des Sucherbilds konnte man sich schon immer erkaufen - man bekam wofür man zahlte.
Mit den ersten DSLRs und ihren Cropsensoren wurde das Problem drastischer, der Sucher wurde kleiner und / oder deutlich weniger hell. In diesem Punkt sind heutige Meßsucherkameras ihren (D)SLR-Schwestern wieder deutlich voraus.
Schnell machten erste Bridgekameras mit elektronischem Sucher vor, dass auch ohne Spiegel ein überzeugendes Sucherbild zu Stande kommen kann. Die Massen waren mit dem LifePreview auf dem rückseitigen Display ihrer kompakten Digitalkamera ebenfalls zufrieden.

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Situation heute. Von den fehlenden Wechseloptiken abgesehen machen heute Point-and-Shoot-Kameras der Oberklasse vor, dass vielfältige Einstellmöglichkeiten nicht an eine SLR gebunden sein müssen. Vor allem schwenk- und drehbare Displays machen Freunden des Lichtschachtsuchers heute viel Spaß.
Erste Fotoprojekte mit der DSLR zu fotografieren ohne den Sucher zu benutzen, dafür aber den Life-Preview habe ich selbst bereits praktiziert. Sicher, die Qualität des Previews hinkt der Qualität eines exzellenten Spiegelsucher deutlich hinterher, doch das dürfte mit künftigen Produktiterationen deutlich besser werden.

Was will ich eigentlich? Kleinere Kameras, mehr Bilder pro Sekunde und die Annehmlichkeiten des kleineren Auflagemaßes sind mir persönlich Wurst. Eine Kamera mit guter Bildbeurteilung vor der Aufnahme, schwenkbarem Sucher / Display (um den Winkelsucher überflüssig zu machen) und der Möglichkeit vorhandene Objektive zu verwenden würde schon reichen. Features wie ein Live-Histogramm im Sucher / Display sollten für Entwickler heute auch keine Hürde mehr sein.
Eine Videofunktion wird ohne Aufpreis gerne mitgenommen, ein Anwendugsfall dafür wird sich gewiß finden.

Aber was wird aus dem Spiegel? Nun, wenn meine Wünsche auch ohne Spiegel realisierbar sind, dann würde ich am Spiegel nicht festhalten. Ja, vermissen würde ich ihn, keine Frage.
Die Four-Thirds-Gruppe macht’s vor, Red hat einen DSLR-Killer bereits angekündigt. Die großen Hersteller lehnen sich bisher nicht so weit aus dem Fenster, aber es würde mich arg wundern wenn nicht alle Hersteller ensprechende Produkte in ihrer Entwicklungspipeline hätten.

Spiegel, mein alter Freund, Du wirst mir fehlen.

Inhaltsverzeichnis der Artikelserie Abschied vom Spiegel

  1. Die Kamera und ich: Gewöhnung an den Spiegel
  2. Die Kamera und ich: Abschied vom Spiegel

Die Kamera und ich: Gewöhnung an den Spiegel

Mittwoch, 15. Oktober 2008

Wie es zum Spiegel kam und wie ich mich in über zwanzig Jahren dran gewöhnt habe. Teil zwei wird sich mit der Entwöhnung und einem Blick in die Zukunft befassen.

Die Photokina ist also vorbei und sie hat uns interessante Neuigkeiten gebracht. Immer mehr DSLRs mit Life Preview, manche davon erstmalig mit Videofunktion und und und …
Einen Spiegel braucht man dazu in der Kamera nicht wirklich (vom Sony LifePreview abgesehen) und so hat dann auch die Four-Thirds-Allianz den Spiegel bei der nächsten Generation gleich weg gelassen.

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Rückblick: wie kam es eigentlich zum Spiegel? Für den Fotografen stand am Anfang die Kamera ohne Sucher und ohne Blick ‘through the lens’ (TTL). Der Praktikabilität wegen kamen Peilhilfen / Sucher hinzu, später Messsucher. Doch auch mit dem besten Sucher sind manche fotografischen Bereiche kaum zu beherrschen: Makrofotografie, extreme Tele- und extreme Weitwinkelbrennweiten. So kam es dann zum Spiegelkasten als Zubehör zu manchen Meßsucherkameras und schnell wurde dieses ‘Zubehör’ in Kameras integriert.
Natürlich ist die Idee viel, viel älter.

Siehe da: endlich brachte die SLR (man verzeihe mir das umgehen der TLR) das parallaxenfreie Sucherbild, mit jedem Objektiv, in jeder Situation. Der damals größte Wunsch war wahr geworden: Im Sucher exakt das zu sehen was später auf dem Film landen würde.
Die Belichtungsmessung und später den Autofokus dazu zu packen war zwar konsequent, vorher aber bereits in Sucherkameras erfolgreich praktiziert worden.

Man gewöhnt sich dran. Tatsächlich sogar rasend schnell. Die schon wegen ihrer aufwendigen Mechanik als wertig geltenden SLR fanden unter Berufs- wie Hobbyfotografen schnell ihre Freunde. Größe, Gewicht und Arbeitsgeräusche wurden von vielen hingenommen, andere trieb genau dies ins Lager der Meßsucherkameras.
Ein großer heller SLR-Sucher, mit übersichtlichem Informationsdisplay wurde ab Mitte der 1980er Jahre verfügbar, wobei die Kluft zwischen Consumer- / Prosumer-Variante und Profigeräten immer sichtbar blieb.
Ich mag meinen Reflexsucher, besonders bei den ‘vollformatigen’ Spitzenmodellen. Gewicht und Sound tun all dem keinen Abbruch, ganz im Gegenteil: man fühlt sich richtig gut mit dem lauten und schweren Gerät.

In Teil zwei geht es weiter damit, wie ich langsam vom Spiegel entwöhnt werde, was an seine Stelle treten könnte und wie es mir dabei so geht.

Inhaltsverzeichnis der Artikelserie Abschied vom Spiegel

  1. Die Kamera und ich: Gewöhnung an den Spiegel
  2. Die Kamera und ich: Abschied vom Spiegel

Featuritis: Live-View-Modus bei DSLR

Montag, 01. September 2008

Als Foto-Dinosaurier kann er mit dem meisten neuen Schnickschnack moderner DSLRs nix anfangen. Mit manchen Features aber doch: bspw. dem Live-View-Modus, den mag er.

Für extreme Perspektiven in die Knie zu gehen hat er immer schon praktiziert, als es ihm dann schwerer fiel, da kam dann der Winkelsucher zum Einsatz. Bei modernen Kameras könnte da ein Preview-Modus schon sehr nützlich sein.

Könnte! Denn beim Design neuer Modelle haben offenbar nicht alle Hersteller an den Kunden gedacht. Mangels schwenkbarem Display wird dann die DSLR im Preview-Modus genauso wie die P&S am ausgestreckten Arm vom Körper weg gehalten. Für extreme Perspektiven bleiben also auch weiterhin extreme Körperhaltungen in Mode.

2008-111d-0032-e01-webgal.jpgSehr löblich das manche Firmen (hier Sony) mitdenken, ein nach oben und unten schwenkbares Display verbauen und ein (wenn auch sehr kleines) Live-Histogramm vorsehen. Na geht doch.
Manchmal sind es eben die kleinen, durchdachten Features die dem Praktiker Freude machen. Jetzt bräuchte er nur noch ein Unterwassergehäuse für seine DSLR, bei dem …

2008-111d-0033-e01-webgal.jpg‘Winkelsucher, mein alter Freund, ich werde Dich immer in guter Erinnerung behalten’. Wenn da nur nicht das ungute Gefühl wäre, daß der Sucher der DSLR vielleicht das gleiche Schicksal erleiden könnte wie der der Point-and-Shoots.