Keine Lust mehr eine Kamera in die Hand zu nehmen? Die Kameratasche wird zwar mitgeschleppt, aber kaum noch ein Bild gemacht? Kein Antrieb die Berge unbearbeiteter Bilddateien aufzuarbeiten? Beim Betrachten der eigenen Bilder stellt sich kein Gefühl der Zufriedenheit oder des Stolzes ein? Das aktuelle “365-Projekt” produziert zwar Fotos, aber in mir keine (positive) Reaktion darauf? Weder neue Sujets, noch neues Spielzeug bringt die Freude an der Fotografie zurück? Angeödet von Dutzenden Artikeln über Fotografie im RSS-Feedreader? Keine Lust neue Blogartikel zu schreiben?
Auf einmal sind sie dann da, unbequeme Fragen und Gedanken. Was ist passiert? Was ist los mit mir? Warum stecke ich fest? Ist die Begeisterung für mein lieb gewonnenes Hobby schon erloschen?

Only Emptiness Remains, aus "Buzz Lightyear's Uncounted Nightmares"
Na dann, willkommen in der Zone der kreativen Pause. Auf Dich wartet eine gute und eine schlechte Nachricht. Die gute Nachricht: Du bist in guter Gesellschaft, das passiert auch vielen anderen, oft auch mehrfach. Die schlechte Nachricht: wie lange die kreative Pause dauert, ob und wie es danach weiter geht kann niemand vorhersagen. Die Muse küsst zwar viele, eine lebenslange, monogame Beziehung geht sie aber nur sehr selten ein (Muse auf Urlaub – Monis Motivklingel, Küss mich, Muse von Tilla Pe).
Symptome. Auf und Ab. So wie auch Kreativität etwas Individuelles ist, so verhält es sich auch mit der kreativen Pause. Ob ich selbst auch schon mal eine unproduktive Phase hatte? Gegenfrage: nur eine?
Als, ich 1983 meine erste SLR gekauft hatte, da war die Fotografie das Größte für mich. Fünf Jahre später war ich nur noch selten mit der Kamera unterwegs, sie lag oft monatelang ungenutzt im Schrank. Dann sogar Jahre. Film war teuer, der analoge und hybride Workflow langwierig und ohne Web waren der gedankliche Austausch mit anderen und der Kauf von gebrauchter Ausrüstung zwar möglich aber langsam. So stahlen andere Hobbys der Fotografie die Show. In den 90ern entdeckte ich die Fotografie auf’s neue, wurde erneut zum Gelegenheitsknipser. Die Digitalfotografie entfachte die Glut wieder zum Feuer … und es wurde wieder zäher, die Kamera im Rucksack oder Kofferraum wurde vom Werkzeug zum Ballast – mit leeren Batterien.
Anamnese. Aber wie genau fühlen sich meine kreativen Pausen an? Das Merkwürdige: ich bin auch in so einer Zeit durchaus kreativ (und schreibe Ideen auch auf). Mir kommen jede Woche neue Ideen für Fotoprojekte. Bei mir scheitert es dann eher an der Umsetzung. Der Beruf und andere Aktivitäten ließen zu wenig Zeit, die Mittel reichten nicht aus um komplexe Projekte umzusetzen, kein Drive. Die Ideen sind da, Ausrüstung auch, aber von einem Schritt zum nächsten zu kommen ist so unendlich zäh.
Oder aber die eigenen Bildergebnisse sind immer weniger befriedigend (sehr passend beschrieben von Brooke Shaden, hier ihr Ausweg).
Nutzlose Rezepte. Nicht alle bekannten Rezepte zum Umgang mit solchen Durchhängern haben bei mir die gewünschte Wirkung gehabt.
- Neue Ausrüstung soll neue kreative Pfade öffnen.
Ja, manchmal war das auch bei mir so. Nur ist meine Erfahrung eben auch die, dass oft nicht die fehlende Ausrüstung mich von guten Fotos trennt, sondern die handwerkliche Beherrschung der Werkzeuge die ich schon habe. - Masse macht Klasse.
Die ersten zehntausend Bilder sind die schwersten. In Zeiten, in denen hinter einem Bild eine durchdachte Komposition, intensive Vorbereitung und anschließende Dunkelkammerarbeit üblich waren, mag das funktioniert haben. Aber mehr Fotos (pro Zeit) erzeugen zu können hat bei mir vor allem den Ausschuss erhöht.
Zweischneidige Schwerter. Andere Tipps und Tricks haben sich in meiner Erfahrung sowohl als hilfreich erwiesen als auch als problematisch. Aus Sauerstoff und Holz alleine wird noch kein Feuer.
- Unendliche Inspiration wartet auf mich im Web.
Es warten unglaubliche viele Bilder im Web, die neue kreative Konzepte aufzeigen, zu erlernende Techniken, neue fotografische Sujets. Abhängig von der eigenen Einstellung … weiterlesen –>


Politisches Vorspiel 2010. Als durch die Gemeindeverwaltung Seeboden ein anderer politischer Wind weht, geht es zu Ende mit dem kreativen Idyll bei bestem Wetter und in reizvoller Umgebung. Das Festival ist nicht mehr gerne gesehen.




Von Uwe
Als ich ein Kreatief hatte, half mir die Herausforderung. Entstanden ist 2006 eine Serie von 50 Bildern in der fc. Nicht immer ganz ernst gemeint
Einige davon sind hier noch zusehen: http://www.youtube.com/watch?v=tA71G-W677U (Teil 1)
LG Tom
Wow, wer auf der Suche nach Projektideen ist wird in Deinem/Deinen Video/s fündig. Vor so viel Einfallsreichtum ziehe ich den Hut.
Danke Danke Danke….Einige Dinge werde ich mir sicher annehmen und andere wiederum kann ich bestätigen (z.B., dass dieses oder jenes eben NICHT funktioniert um so ein Tief zu überwinden)!
Ich hab auch oft solche Phasen und ärger mich manchmal fast über mich selbst und frage mich wieso, weshalb, warum und was das denn alles soll…Ich habe noch dieses Jahr vor, mein Hobby zum Beruf zu machen und gerade deswegen habe ich z.T. mächtig Angst vor solchen Phasen…Mal angenommen, ich bekomme einen Auftrag und ich habe gerade eine völlige Blockkade…Aaaaaaahhh aaaahhhh Panik…
Da kann ich nicht mal eben sagen: “Sorry, ich kann heut nicht, hab gerade meine kreative Pause.”….Gibt´s da auch Tipps und Tricks dafür bzw. dagegen??
LG