Was war, was ist, was auf uns zukommt

Jau, ein spannendes Jahr war 2011 allemal. Gleich ob der eigene Blick auf’s Weltgeschehen, auf Entwicklungen in der Fotografie oder die Entwicklungen im eigenen Leben fällt. Was für ein Jahr!

Zugegeben, im Blog hat sich diese Dynamik nicht gespiegelt. Dennoch hat sich auch bei mir in 2011 Einiges in Sachen Fotografie getan. Ich durfte manches beobachten, ein paar kleine Erfahrungen machen und dazu eine Menge Gedanken. Zum Beispiel: so hat mich eine alte Fotografie aus dem Familienfundus mehr und Wertvolleres gelehrt, als 28 Jahre im Umgang mit einer SLR-Kamera. Doch dazu zwischen den Jahren mehr bei der Geschichte “Das Geschenk und der 98-Jahre-Workflow“.

Was sich in Sachen Fotoausrüstung entwickelt hat, ließ mich allerdings selten so kühl wie in diesem Jahr. Stattdessen habe ich gelernt mit bereits vorhandener Ausrüstung bessere Ergebnisse zu erreichen. Und der Sack mit Ideen für meine Fotografie und Geschichten auf diesem Blog ist wieder prall gefüllt (aber wann war das jemals anders?) und die ein oder andere wird es natürlich auch ins Netz schaffen.

Deswegen wünsche Euch, den Lesern dieser Zeilen, frohe Festtage, eine gute Zeit zwischen den Jahren und einen guten Start in 2012. Wie ich mich auf dieses Jahr freue! Wir lesen uns wieder. Versprochen.

P.S.: das Bild dort oben zeigt ein Pinsel-und-Schwamm-Bodypainting der luxembourger Künstlerin Lynn Schockmel, so gesehen beim World Bodypainting Festival 2011 in Pörtschach.

Bill Tür’s kleine Schwester

Bill Tür

-- Bill Tür's kleine Schwester --

Draußen wird es immer seltener richtig hell, die Natur hat ihre Farbenpracht für dieses Jahr abgelegt, was bleibt da besseres als die Zeit zu nutzen ein paar Bilder aus dem Sommer 2011 zu bearbeiten.

Zu sehen ist ein Facepainting der Künstlerin Nadja Hluchovsky, fotografiert beim World Bodypainting Festival 2011 in Pörtschach, Österreich.
Der Titel des Bildes stammt von mir (nicht von der Künstlerin) und muss wohl etwas mit einem Buch zu tun haben, das ich erst kürzlich las …

RAID + Unkenntnis = Katastrophe

Klar waren Lenny’s [Name geändert] Daten sicher, schließlich hatte er sie ja auf einem NAS mit RAID-Technik deponiert. Dort lagerten zehntausende Fotos, zahllose Musik- und Arbeitsdaten. Kein Grund anzunehmen das sie dort nicht so sicher waren wie in Fort Knox. Bis der Tag kam an dem er alle Daten verlor.

Es ist schon merkwürdig wie manchmal in unterschiedlichsten Informationskanälen in verschiedenen Stories ein und dasselbe Thema auftauchen. So war bei Adrian Ahlhaus unlängst ein Beitrag zum Thema Datenaufbewahrung zu lesen, eine Weile her lief eine interessante Frage bei Fotografr und ich stolperte diese Woche in einem Kundenforum über eine bewegende Geschichte. In der hier berichteten Geschichte schloß ein Benutzer sein RAID-System an einen speziellen kommerziellen NAS zu betreiben und … lest selbst.

Just bought the XSchmumpf [Name geändert] device yesterday. Plugged it into a small portable drive to test and setup and found it to be easier than I imagined. Annoyed that the drive is always spinning (never goes to sleep) but otherwise impressed.

Ich besitze das Gerät selbst und hatte es zu Testzwecken im Betrieb. Netzwerkstecker rein, Strom anschließen, USB-Festplatte oder -Stick anschließen und schon sind die Daten via Internet erreichbar. Soweit kann ich seine Ergebnisse bestätigen. Die Idee hört sich gut an, dennoch unterliegen viele Kunden von XSchmumpf dem gleichen Denkfehler … aber dazu vielleicht später mal.

Today I connected my 4TB RAID tower (4x2TB drives) and found that XSchmumpf couldn’t make it work. It showed up as a drive on my Mac sidebar but didn’t actually show any files. After disconnecting it from XSchmumpf and plugging it straight into my computer (MacBook Pro via firewire)…no volumes found. I ran the Mac disk utility and it sees the volume but cannot mount it. Tried several other disk utilities but nothing can restore the data.

Beim Lesen dachte ich mir: sehr ärgerlich. Backups auf ein 4*2TB RAID zu restaurieren ist kein Hexenwerk, dauert aber und ist lästig. Ich spreche aus eigener Erfahrung.

This was EVERYTHING I have from the last ten years. EVERYTHING. Tens of thousands of images. Music. Work documents.
And don’t give me any grief about not having a backup. It was a RAID tower…backups are built-in.

Zugegeben, da war ich sprachlos. Nicht wegen des Datenverlusts, sondern wegen dem Hinweis bei RAID seien die Backups eingebaut. Kann man so falsch informiert sein? Eine spontane Umfrage ergab: man kann, leider haben das viele andere auch wie Lenny verstanden.

Was ist ein RAID?
RAID steht heute für “Redundant Array of Independent Disks” (dt. Redundante Anordnung unabhängiger Festplatten). Dabei werden mehrere physische Festplatten zu einem logischen Laufwerk zusammengefasst. Da die Daten über die physischen Datenträger verteilt werden wird – je nach RAID-Level bzw. -Kombination – der Datendurchsatz höher (schöner Nebeneffekt) und/oder die Datenverfügbarkeit bei Ausfall einer physischen Platte ist gegeben.
Natürlich gibt es auch Produkte wie die von Drobo und von anderen Computer- wie NAS-Herstellern, die Redundanz mit etwas anderer Technik versprechen. Gleich wie verschieden diese von RAID sind, sie haben die Kopie / den redundanten Datenbestand physisch oft im gleichen Gehäuse und alle Datenträger hängen meist im gleichen Stromkreis.

Was ist ein Backup?
Daten werden auf einen anderen Datenträger kopiert, anschließend liegen die Daten eben zweifach (oder eben mehrfach) vor. Es wird mit der Sicherungskopie nicht weitergearbeitet, sie beherbergt also einen eingefrorenen Zustand. Erwähnenswert: beim off-site Backup wird der Sicherungsdatenträger räumlich getrennt vom Original aufbewahrt.

Warum ein RAID kein Backup ist.
Da in beiden Fällen – sowohl beim RAID als auch beim Backup – die Daten doppelt (oder eben mehrfach) vorliegen erscheint erstmal beides gleich. Doch es gibt große Unterschiede (sehr anschaulich ist dies im Blog von Priotecs zusammengefasst):

  • eine Datei zu löschen wirkt sich beim (nicht zusätzlich abgesicherten) RAID umfassend und sofort aus,
    beim Backup ist die gelöschte Datei oft noch in der Sicherungskopie vorhanden,
  • bei Schäden am RAID-Controller können die Daten nicht immer an einem anderen Controller gerettet werden,
  • Feuer- und Wasserschäden, Erdbeben, Diebstahl, Blitzschlag oder Diebstahl bedrohen beim RAID die gesamten Daten,
    mittels eines intakten und halbwegs aktuellen off-site Backups lassen sich die Daten dann noch immer retten.

Fazit.

Jeder Benutzer digitaler Technologie sollte sich mindestens eine Frage stellen: “Was passiert eigentlich wenn alle meine Daten weg sind?”. Die Beratung durch einen Fachmann ist eine gute Idee und wird von mir ausdrücklich empfohlen. Dabei bitte auch Fragen besprechen wie: “Was passiert wenn mein Haus abbrennt oder beim Hochwasser überschwemmt wird?”, “Kann ein Blitzschlag der Lösung nicht schaden?” und “Wenn bei mir eingebrochen wird und das Gerät wird geklaut … was passiert dann?”.

Auf lange Frist gilt: Daten lange behalten wird nur derjenige, der sich auch regelmäßig darum kümmert. Unwissenheit, falsches Wissen, Schludrigkeit, übermäßiges Gottvertrauen und/oder Ignoranz sind sichere Zutaten für eine herannahende Datenkatastrophe. Soll mir Lenny nun wirklich leid tun?

Titelbild September 2011: Meet the Alien Lady

Die Tradition ist nicht in Vergangenheit geraten und so kommt hier wieder ein Titelbild des Monats.

Meet the Alien Lady

Meet the Alien Lady

Zwar ein netter Schnappschuß vom World Bodypainting Festival 2011 in Pörtschach (Österreich), leider mit unruhigem Bildhintergrund (aufgenommen vor dem Zelt von Senjo Color, bei dem Painting handelt es sich um eine Promotion). Für das Titelbild dennoch eine  gute Wahl, die Augenpartie mit dem Ansatz der Ohren entfaltet im Seitentitel dennoch seine Wirkung (die Auflösung des Titelbildes dieser Webseite ist immer 717 * 236 Pixel).

Fotos professionell bewerten – Sterne verteilen darf Spaß machen

Ratingagenturen tun es, der Kundenberater Deiner Bank tut es und als Fotograf tust Du es auch. Bewerten. Genauer: jene Fotos bewerten, die Du von einem Ausflug, Urlaub oder Shooting mitbringst.
Denn schaust Du Dir dein Bilder zum ersten Mal auf dem PC an und schon denkst Du “So viele?”, “Na, da ist aber auch ordentlich Ausschuss dabei” oder “Welche Bilder bearbeite ich weiter?”. Plötzlich wird Dir klar: “Die guten ins Töpfchen, die schlechten ins Kröpfchen” ist leichter gesagt als getan. Also ran ans Werk.

Auf dem Chase Jarvis Blog postete Scott Rinckenberger (Chase’ Assistent) vor einigen Monaten den sehr lesenswerten Artikel Photo Editing 101 – Surviving the Tidal Wave of Data. Kein anderer Blogpost im letzten Jahr hat meinen Workflow soweit voran gebracht.

Das Prinzip ist eigentlich ganz einfach: in vielen Bildbearbeitungsprogrammen lassen sich Bilder mit null bis fünf “Sternen” bewerten. Kein Stern bedeutet meist Ausschuss, bei fünf Sternen darf man einen Knaller erwarten. Keinen Stern zu vergeben war für mich einfach. Aber welchem der besseren Bilder gebe ich drei, vier oder gar fünf Sterne?
Es hört sich einfacher an als es ist und es kostet Zeit. Mich kostet(e) es viel Zeit und es war eher eine lästige Pflicht als eine Kür. Die unten beschriebene Methode funktioniert für mich sehr gut.

Kein Stern = Ausschuss

Kein Stern = alles Ausschuss*

Vorbereitung

  • Alle Fotos werden auf den PC kopiert, ggf. umbenannt
  • Sicherungskopien werden angefertigt,
    es kann also nichts mehr verloren gehen
  • die Fotos werden in der Software geladen
    (Bildbetrachter, eine Bildverarbeitung ist nicht notwendig)
  • Zeit, Ruhe, ein aufgeräumter Arbeitsplatz und eine Kanne Tee – ideale Voraussetzungen für eine produktive Sitzung

Erster Durchlauf, der erste Stern - Ist es kein Schrott?
Volle Geschwindigkeit

  • Gar nicht erst versuchen die Gewinner zu ermitteln. Es geht nur darum jene Fotos mit groben Mängeln rauszuwerfen.
  • Stark unter- oder überbelichtet? Ist es schon in der Übersicht unscharf?
  • Das Modell blinzelt, gähnt, die Gesichtszüge sind entgleist und / oder die Pose ist unvorteilhaft? Sorry, dann gibts auch keinen Stern.
  • Es wird nicht gezoomt, kein Histogramm zu Rate gezogen. Geschwindigkeit ist hier wichtiger als Präzision.
  • Ziel: alle Fotos die keine groben Mängel haben bekommen einen Stern, alle anderen keinen. Bilder ohne Stern tauchen nicht wieder in der Bewertung auf.
Ein oder zwei Sterne?

Ein oder zwei Sterne?

Zweiter Durchlauf, zwei Sterne – Sieht es OK aus?
Volle Geschwindigkeit

  • Es werden nur Fotos angezeigt die einen Stern haben.
  • Bei Bildsequenzen wird jetzt aussortiert was offensichtlich vor oder hinter den Schlüsselbildern (key frames) liegt.
  • Bei Aufnahmen von Menschen wird alles aussortiert was Frau / Mann / Kind schlecht aussehen lässt.
  • Kein Zoom, kein Histogramm, keine Belichtungswertkurven.
  • Der zweite Durchlauf soll schnell gehen. Daher: nicht zögern, im Zweifelsfall für den Angeklagten für das Foto.
    Dennoch, was Du nicht mehr wiedersehen willst fliegt jetzt raus.

An dieser Stelle merkt Scott in seinem Blogpost an:

Now you’re only looking at images that aren’t horrible, but there’s plenty of room between horrible and average.  Volume editing is an elimination process.  This is your last chance to pull out pictures you never want to see again.

Dritter Durchlauf, drei Sterne – Gefällt mir das Foto?
Ruhigeres Tempo

Für mich der schwierigste Durchgang, denn das Hauptkriterium für drei Sterne ist weich und subjektiv. Gefällt mir das Foto? Aber mittlerweile kenne ich die Fotos, habe sie schon zweimal angeschaut. Es gibt Fotos bei denen in mir etwas klingt und eben andere.
Schwieriger wird’s wenn man fotografiert wozu man selbst kaum eine Beziehung hat und sich dann in den Kopf eines Kunden hinein versetzen muss.

  • Es werden nur Fotos angezeigt die zwei Sterne haben.
  • Hier setze ich den Zoom ein, wenn ein Foto anders nicht zu bewerten ist, aber kein 100%-Zoom.
  • Bei Serien: welches Bild gefällt mir am besten (dürfen auch mehrere sein).
  • Ich mag das Bild –> drei Sterne. Ich mag es nicht –> sorry, keine weiteren Sterne.

Vierter Durchlauf, vier Sterne – Gefällt’s mir beim genauen hinschauen?
Zeit nehmen, aber nicht bummeln

  • Es werden nur Fotos angezeigt die drei Sterne haben.
  • Zoom wird eingesetzt, besonders zur genauen Schärfekontrolle und um Details zu betrachten.
  • Die Belichtung wird ggf. mittels Histogramm / Kurven überprüft.
  • Vier- und Fünf-Stern-Fotos werden später weiterverarbeitet, also wähle ich nichts aus das ich nicht wirklich bearbeiten möchte.
  • Es muss gut sein. Würde ich es gerne Anderen zeigen?
Drei, vier oder fünf Sterne - welches der Fotos ist gut genug?

Drei, vier oder fünf Sterne - welches der Fotos ist gut genug?

Fünfter Durchlauf, fünf Sterne – Ist das Foto großartig?
Zeit nehmen, notfalls auch mehr Zeit.

  • Es werden nur Fotos angezeigt die vier Sterne haben.
  • Es geht nicht mehr darum ob die Fotos später weiterverarbeitet werden.
  • Würde ich das Foto in einem Portfolio von 30 oder weniger Bildern haben wollen?
  • Würde ich das Foto in einem Wettbewerb gegen Fotos anderer Fotografen antreten lassen?
  • Würde ich das Foto auf einer Visitenkarte oder Moo-Card mit meinem Namen drucken lassen?

Die Bewertung ist geschafft, was kommt jetzt?

Nach der Bewertung habe ich eines erreicht: ich muss mich jetzt nur noch mit ordentlichen Fotos befassen, der Ausschuss ist erst mal aus dem Weg. Der nächste Schritt heißt also aufräumen:

  • 0, 1 oder zwei Sterne – diese Fotos werden in das Crap-Verzeichnis verschoben
  • 3, 4 oder 5 Sterne – diese Fotos bleiben im Bearbeitungs- / Keeper-Verzeichnis;
    3 Sterne – einzelne Fotos werden ggf. verarbeitet, wenn die Auswahl ansonsten unvollständig wirkt,
    4 oder 5 Sterne – fast alle dieser Fotos werden weiterverarbeitet

Das bewerten mit bis zu fünf Sternen (o.ä.) beherrschen sehr viele Programme, sowohl aus dem kommerziellen Lager als auch aus dem Bereich der Freeware und Open Source Software. Doch selbst wer Bildbetrachter ohne solche Funktionalitäten benutzt – oder diese Funktionalität so nicht nutzen will (wie auch ich) – kann sich mit wenigen Tricks der oben beschriebenen Techniken bedienen. Dazu in einem zukünftigen Artikel mehr.

*Alle Bildbeispiele stammen vom World Bodypainting Festival 2011 in Pörtschach. Die Bilder sind in manchen Fällen zugeschnitten und in allen Fällen skaliert. Ansonsten erfolgte keine Bildbearbeitung, d.h. die Bilder hatte ich beim bewerten so wie hier gezeigt vor mir.

Inhalte der Serie "Workflow uncovered"

  1. Fotos professionell bewerten – Sterne verteilen darf Spaß machen
Thomas Zilch (1 comments)Montag, 08. August 2011 - 19:51:37

Nach der gleichen Methode bewerte ich meine Bilder auch. Man muss die Bewertung nur fest in den Workflow einbauen und sich daran gewöhnen, dann geht die Bewertung sehr schnell von der Hand. Und man muss ehrlich zu sich selbst sein. Nicht viele Bilder verdienen 5 Sterne… :-)

» Links der Woche #63 - Kategraphy (1 comments)Donnerstag, 18. August 2011 - 20:02:53

[…] sinnvoll vergeben in Lightroom: Dieser Artikel […]

License grabbing für Fotos ala Google: Google+

Viele Fotowettbewerbe tun es, Adobe tat es, manch Fotocommunities haben es auch schon versucht und (die Verwunderung hält sich in Grenzen) Google probiert’s jetzt wohl auch mal.

License Grabbing. Ein altes und bekanntes Spiel: ein Fotograf lädt eigene Bilder auf eine Webseite hoch und hat über die – oft stillschweigende – Akzeptanz der Nutzungsbedingungen (engl. Terms of Service, kurz TOS), dem Betreiber der Webseite oder des Services automatisch weitgehende Nutzungsrechte eingeräumt.
Wasserzeichen und Lizenzbedingungen des Urhebers mit anderslautenden Bedingungen werden dadurch bedeutungslos.

So berichten der Shutters Inc. Podcast in Ausgabe 181 und Scott Bourne in seinem Blog PhotoFocus.com übereinstimmend über die Lizenzen für die Bildnutzung, die Fotos-uploadende Benutzer der jüngsten Social Community Google+ dem Betreiber damit automatisch übertragen.

Google+ TOS*:
“By submitting, posting or displaying the content you give Google a perpetual, irrevocable, worldwide, royalty-free, and non-exclusive license to reproduce, adapt, modify, translate, publish, publicly perform, publicly display and distribute any Content which you submit, post or display on or through, the Services.”

“You agree that this license includes a right for Google to make such Content available to other companies, organizations or individuals with whom Google has relationships for the provision of syndicated services, and to use such Content in connection with the provision of those services.”

“You understand that Google, in performing the required technical steps to provide the Services to our users, may (a) transmit or distribute your Content over various public networks and in various media; and (b) make such changes to your Content as are necessary to conform and adapt that Content to the technical requirements of connecting networks, devices, services or media. You agree that this license shall permit Google to take these actions.”

* Zitiert von Shutters Inc. Podcast, siehe Link oben. In den “normalen” Nutzungsbedingungen von Google tauchen diese Bedingungen so nicht auf. Für Picasa habe ich das allerdings nicht überprüft.

Nein, wirklich überraschend ist das nicht. Für Fotografen die selbst darüber entscheiden wollen wem sie welche Nutzungsrechte an Bildmaterial einräumen ist es dennoch ärgerlich, schließlich bietet Google+ doch eine überlegenswerte Alternative zur Fotocommunity flickr.com, wo der Servicebetreiber stellenweise einen ruppigen Umgang mit seinen Nutzern pflegt. Schade, wo doch Google+ Nutzer wie Thomas Hawk (hier und dort) voll des Lobes über das Foto Sharing des neuen Services sind. Schade auch deswegen, weil ich mir Google+ bei nächster sich bietender Gelegenheit genau deswegen anschauen wollte.
Also, liebe Fotografen, vor dem einstellen eigener Fotos bei Google+ besser darüber nachdenken ob Ihr mit diesen TOS leben wollt.

Jonny B (1 comments)Sonntag, 10. Juli 2011 - 13:54:04

Die TOS/AGB für Picasa sind momentan witzigerweise offline (404). https://plus.google.com/u/0/103195661122284369784/posts/Wwk5434CGU8

towo (1 comments)Sonntag, 10. Juli 2011 - 15:43:37

Das Problem ist, daß man nach US-Rechtssprechung halt dies Rechte _braucht_, um überhaupt Bilder wiedergeben zu dürfen.

Vor allem das “syndicated services” ist auch ein großer Hinweis darauf, daß es darum geht, daß man den Plus-Inhalt auch Leuten zur Verfügung stellen darf, die eine eventuelle API benutzen. Ansonsten könntest Du keinen mobilen Client von einem Fremdentwickler haben oder sowas.

Uwe (1 comments)Sonntag, 10. Juli 2011 - 17:44:10

@towo: Mmmh, zwar enthält der dritte Absatz etwas Weichspüler (was Deine Meinung stützt), aber im Ganzen erscheinen mir die Formulierungen etwas zu weitgehend. Natürlich braucht Google das Recht die Daten ‘handhaben’ zu können, alleine schon um den Service zu betreiben.
Nun lesen sich aber selbst bei Flickr die TOS geringfügig kundenfreundlicher. http://info.yahoo.com/legal/de/yahoo/tos.html

Möglicherweise sind aber auch nur die Google-Juristen mit der Formulierung etwas ‘über Bord’ gegangen, ohne vorher das Marketing zu konsultieren. Ähnliches ist ja kürzlich bei Dropbox auch passiert. http://lifehacker.com/5819430/should-i-be-worried-about-the-change-to-dropboxs-terms-of-service

Sven (1 comments)Mittwoch, 13. Juli 2011 - 07:41:44

Das große Problem ist ja, dass weder unsere, noch andere Regierungen endlich einmal eine allgemeingültige Lösung im Bereich des Copyright hervorgebracht haben.

Es sollte ja wahrlich nicht das Problem sein einen Ansatz zu finden. Egal was dabei herauskommt – besser als “ab dem upload gehören die Rechte dem Portalbetreiber” ist es wohl allemal.

Derzeit bleibt einem ja fast nur die Lösung Bilder in reduzierter Auflösung aufzuspielen, damit zumindestens eine kommerzielle Nutzung etwas unterbunden wird.

Sarkastisch angemerkt könnte man jedoch auch davon ausgehen, dass es hinsichtlich dem Schutz geistigen Eigentums schwer ist eine Lösung zu finden, wenn die dafür verantwortlichen sich an der Thematik mittels Doktorarbeiten schon durch herausragende Kompetenz unter Beweis gestellt haben.

“Mach das Internet aus. Und mach deine ganz eigenen Bilder.”

In dieser Woche haben es zwei sehr inspirierende Statements aus der Masse an Nachrichten in mein Gehirn geschafft. Das Statement im Titel stammt vom Fotografen Rüdiger Beckmann in einem Gastbeitrag auf kwerfeldein.de, auf die Frage nach einem Rat für junge Fotografen.

Ich werde oft gefragt, was ich heute einem jungen Fotografen raten würde.
Meine Antwort lautet: Mach das Internet aus. Und mach deine ganz eigenen Bilder.

Hmm. Ganz davon abgesehen das mich sein Buch “Beyond Vanity – Jenseits von Eitelkeit” reizt und es sich sich demnächst auf meinem Lesestapel wiederfinden wird, diese Worte oben bringen in mir eine Seite zum klingen.

Ich lese nicht viel über Fotografie, das strengt mich oft sehr an. Allein auf dieser Site [kwerfeldein.de, Anm. des Autors] wurden in den letzten Tagen mehrere Artikel veröffentlicht, die mich überfordern. So viele Menschen, die fotografieren und darüber schreiben.

Nochmal hmm. Sind das die Worte von Einem der sich selbst Welt genug ist? Oder versucht da jemand im stetigen Gemurmel von Medien, Meinungen und Ratschlägen einfach mal den eigenen Gedanken zu lauschen?
Seine Bilder sind einfach, technisch oft nicht perfekt, ausdrucksstark und sie beeindrucken mich. Also jemand der – erfolgreich – seinem eigenen Rat gefolgt ist.

In einer anderen Konversation zwischen Ibarionex R. Perello (The Candid Frame Podcast) und Jeffery Saddoris (Faded and Blurred Website) wurde kürzlich auch wie Frage aufgeworfen “Warum mache ich das, wenn es die Joe McNally’s und Edward Westons schon längst gibt?”. “Was kann ich noch erreichen?”.
Perello, selbst kommerzieller Fotograf / Multimedia Producer /Autor, drückt aus wie es ihm nicht nur um das fertige Bild geht, sondern um vieles was vor und nach der Betätigung des Auslösers passiert. Wie er es genießt durch eine Location zu wandern und eine Umgebung und Menschen auf sich wirken zu lassen … auch dann wenn kein verwertbares Bild dabei heraus kommt.
Dann denkt er laut nach wie er gerne mehr solcher Momente in seinem Leben unterbringen will, was ihn davon abhält und wie er dennoch sich an der Nase und die Herausforderung anfasst.

Warum mich die beiden Gedankengänge so beschäftigen? Beide wollen mir nichts über Fotografie erzählen, quälen mich nicht mit Regeln für die Bildgestaltung oder einem technischen Trick um einen bestimmten Effekt zu erzielen. Aber beide Gedanken drücken etwas aus was ich ähnlich empfinde.
Beide lehren mich Wichtiges über Fotografie.

Ulli (1 comments)Sonntag, 13. März 2011 - 19:41:04

Auch ich habe vor einigen Tagen das Statement von Rüdiger Beckmann auf kwerfeldeinde gelesen und auch mich hatte es zum Nachdenken gebracht.

Übrigens: einen netten Blog betreibst Du hier! :-)

Sam (1 comments)Mittwoch, 16. März 2011 - 18:07:20

Jau, genau!

Wenn man zu viel konsumiert, und dazu gehört auch Blogs lesen, fehlt einem die Zeit und auch oft die Energie, selber aktiv was zu tun, selber zu erleben, zu machen.

Zwischen den beiden Dingen, konsumieren und erschaffen, muss man halt seine persönliche Balance finden. Denn nur erschaffen ohne sich je nach links und rechts umzuschauen ist auch nicht die Lösung.

ruedi beckmann (1 comments)Samstag, 19. März 2011 - 14:43:28

ich freue mich, dass euch meine gedanken zu diesem austausch inspiriert haben.
ich habe eigentlich nie daran gezweifelt, ob es richtig und wichtig ist, bilder zu machen, denn in dieser art, emotional zu fotografieren, geht es nicht nur um die bilder, sondern vor allem um die erfahrungen, und um die begegnungen.

die frage, wie man den eigenen weg findet, kommt natuerlich in erster linie von studenten, die fotografieren wollen, aber noch nicht genau wissen, wie sie es anstellen sollen, ihre passion fuer einzigartige fotos bei sich zu finden. bei der vielfalt anderer bilder im netz wird es am anfang dieses weges immer schwieriger, der eigenen leisen stimme, die sich noch nicht so recht traut, gehoer zu schenken. sie wird von dem vielen krach da draussen uebertoent.

im grunde geht es nur darum, am ball zu bleiben und sich nicht entmutigen zu lassen.
http://www.fotocommunity.com/info/Helsinki_Bus_Station_Theory

liebe gruesse von ruedi

Markus (1 comments)Donnerstag, 24. März 2011 - 12:34:05

Ich denke auch, man sollte sein eigenes Ding machen.
Eventuell wirklich auch zeitweise sich ganz abschotten. Kein Flickr, Fotocommunity und sonstige kommentierte Portale nutzen.

Und dann kann man ja immer mal wieder Kommentare einholen, und schauen ob die einem was bringen. Natürlich hängts dann auch davon ab, was man erreichen will, solange man Fotografie als Hobby betreibt, darf man sich getrost voll abkoppeln, und nur nach eigenem Gutdünken arbeiten.
Wenm an Aufträge bekommen möchte, ist die Herangehensweise wie man sich selbst weiterentwickelt, sicher anders.

Sven (1 comments)Samstag, 16. April 2011 - 08:43:00

Die besten Fotos eines Jahres kommen ja nicht ohne Grund oftmals von völlig unbekannten Fotografen. Rausgehen, inspiriert werden und wenn einen etwas besonders ergreift, festhalten.

Solange man für sich selbst fotografiert, kann einem der Rest der Welt egal sein. Erst wenn man (oft aus finanziellen Gründen) mehr für andere fotografieren will, besteht die Gefahr sich selbst – und die eigenen Ideen und Möglichkeiten – dabei aus den Augen zu verlieren.

Maik (1 comments)Montag, 04. Juli 2011 - 23:59:15

Das sind doch mal wahre Zeilen.. keine Ahnung warum das in unserer Zeit so ist, und die letzten Jahre doch immer mehr Überhand genommen hat, wie es nun mal ist. Wobei ich das Zitat “Schalt das Internet ab” doch für recht martialisch halte. Vielmehr wäre vielen geholfen, wenn sie schlichtweg mit offenen Augen durch die Welt gehen würden – das Auge für Perspektive, die Schönheit der Natur / Kulisse, des Motivs lässt sich schwer vorm Bildschirm allein erlernen.