Tipp: Geschichten hinter vergessenen Mauern (Dokumentarfilm)

Geschichten hinter vergessenen Mauern

Es kommt wahrhaftig nicht oft vor, aber bald haben die Urban Explorer um und in Leipzig ihren eigenen Film.

Der Dokumentarfilm betrachtet das Thema Lost Places aus einer Vielzahl von Blickwinkeln. So kommen ehemalige Bewohner, Arbeiter, Anwohner, Stadtplaner, Abrissexperten, Geocacher und Urban Explorer zu Wort.

Filmpremiere ist am 30.03.2012 im Sowjetischen Pavillon der Alten Messe Leipzig. Weitere Vorführungen gibt es am 31. März und am 1. April.
Eintrittskarten, DVD und CD mit dem Soundtrack sind über visionbakery.de (eine Art deutschsprachiges Kickstarter) erhältlich. Das ist Crowd Sourcing vom Feinsten, die DVD ist auf jeden Fall schon bestellt.

Alien dancer in the dark

Alien dancer in the dark

Alien dancer in the dark

Fotografiert beim World Bodypainting Festival 2011;
Erster Platz World Award Category UV Effect, Bodyart by Agnieszka Glinska (Polen)

Alte Fotos reproduzieren, Teil 4: Gesichter retuschieren

Zum Abschluss der Retusche an einem historischen Foto werden noch die Gesichter einer gesonderten Behandlung unterzogen.

Gesichter schrittweise retuschieren

Gesichter schrittweise retuschieren

Warum eigentlich eine Extrawurst nur für die Gesichter?
Bei einer fotografischen Reproduktion – und einer anschließenden Vergrößerung, wie im vorliegenden Fall – wird die Auflösung eher durch die Qualität der Vorlage, als durch die eigentliche Reproduktion begrenzt. Fehlende Auflösung wird dann vom Betrachter meist als Unschärfe, Filmkorn als runzlige Struktur wahrgenommen. Beides fällt zwar in den meisten Bildteilen kaum auf, an kritischen Stellen (den Stellen an denen das Auge des Betrachters am längsten verweilt), wie Gesichtern und Accessoires, machen sich aber Unschärfe und unruhige Oberflächen sehr deutlich und störend bemerkbar.

Die Schrittweise Bearbeitung
Auch in diesem letzten Teil erfolgte die Bearbeitung in GIMP, sollte also mit jeder Bildbearbeitungssoftware die Ebenen und Masken beherrscht, umgesetzt werden … weiterlesen –>

Alte Fotos reproduzieren, Teil 3: Retusche und Reparatur

Bildreparatur sichtbar gemacht (Stempeln, Kopieren, Dodge-and-Burn)

Bildreparatur sichtbar gemacht (Stempeln, Kopieren, Dodge-and-Burn)

Spätestens beim betrachten von Fotos an einem großen Monitor oder im Ausdruck wird jedem Fotografen klar: kein Foto ist frei von Fehlern. Bei Abzügen, Negativen und Dias kommt noch das Problem hinzu, dass das Medium altert, sich zusätzliche Fehler einschleichen. Je mehr Zeit vergeht, desto schlimmer. Doch zum Glück gibt es ja die Retusche.

Retusche (franz. retouche = ‚Nachbesserung‘) ist die nachträgliche Veränderung einer Oberfläche oder eines Fotos (oft in Handarbeit) beziehungsweise einer Computergrafik. Verwendet wird dieser Begriff in der Fotografie, der Druckformherstellung, der digitalen Bildbearbeitung, der Optik, der Restaurierung und der Fertigung hoch präziser mechanischer Teile. (Wikipedia zum Begriff “Retusche“))

Zuerst die Planung - was soll rekonstruiert werden?

Zuerst die Planung - was soll rekonstruiert werden?

Welche Fehler soll die Retusche hier korrigieren?

Beim ersten betrachten eines Fotos treten die gröbsten Bildfehler schnell zutage, so korrigiert werden sollten. Im vorliegenden Fall sind dies:

  1. Eingerissene Bildränder
    Unsauber abgeschnittene Ränder oder an den Rändern abgebröckelte Emulsionen kommen häufig vor, aber auch häufiges Anfassen beschädigt die Bildränder schnell.
    Der gelbe Umriss im Bild rechts markiert das noch erhaltene Foto, der orange Rahmen zeigt den rechteckigen Ausschnitt der ohne Rekonstruktion möglich wäre, der rote Rahmen zeigt den gewünschten Ausschnitt.
  2. Beschädigte Emulsion
    Je nach Material und Umgebungsbedingungen (Temperatur, Feuchtigkeit) wird die Emulsion zeitweise aufgeweicht und kann dann bei Berührung leicht beschädigt werden. Beim anschließenden Trocknen werden dann leider auch solche Bildfehler “fixiert”.
  3. Kratzer
    Entstehen oft bei unsachgemäßer Handhabung oder unsauberem Rahmen.
  4. Verfärbungen und Flecken
    Unsauberes Arbeiten im Fotolabor, Berührung mit fettigen und/oder schweißnassen Fingern, Pilzbefall – all dies macht sich im Abzug/Negativ/Dia oft als lokal begrenzte Flecken bemerkbar.
  5. Degeneration des gesamten Abzugs
    Nicht archivtaugliches Material, unsauberes Arbeiten im Fotolabor und widrige Umweltbedingungen (bspw. zu viel Licht) führen oft zum ausbleichen einzelner Farben oder sogar des ganzen Bildes (wurde im vorliegenden Fall aber bereits in Teil 2 korrigiert).
  6. Unzureichende Bildschärfe
    Unausgereifte Technik, lange Belichtungszeiten und das starke Vergrößern in der Nachbearbeitung (hier von 9*13cm auf 20*28cm) führen oft zu einer unzureichenden … weiterlesen –>

Alte Fotos reproduzieren, Teil 2: Grob-Tuning im Raw-Entwickler

Das in Teil 1 digitalisierte 98 Jahre alte Familienfoto soll im nächsten Schritt als Raw-Bild entwickelt werden. Da das Original ein sepiagetöntes Schwarzweissbild ist, soll nun auch die Reproduktion wieder auf Schwarzweiss reduziert werden – unabhängig davon ob das Endergebnis wieder getönt werden soll.

Raw entwickeln in RawTherapee

Raw entwickeln in RawTherapee

RAW oder JPG – welches Format möchte ich?

Ich gehöre selbst zu den Fotografen die fast immer JPG + RAW fotografieren, aber meist nur das JPG-Foto entwickeln. Doch in diesem Fall und anbetracht der von mir verwendeten Werkzeugen ist es hier nicht ratsam nur mit JPG-Dateien zu hantieren. Warum eigentlich nicht? Nun weil:

  • Kammartiges Histogramm - zu wenig Tonwerte

    Kammartiges Histogramm - zu wenig Tonwerte

    ein Farb-JPG eine Farbtiefe von 3*8 Bit (3 Kanäle: rot, grün, blau) hat,
    jedes Pixel also 24 Bit (3 Byte) für die Farbkodierung verwendet,
    das entspricht den bekannten 16 Millionen 777 Tausend 216 Farben

  • ein einfarbiges JPG nutzt nur 8 Bit Farbtiefe (für einen Kanal),
    im Bild werden nur Schwarz, Weiß und 254 Graustufen dazwischen benutzt *

* Ein kleiner Ausflug in die Farbwahrnehmung. Das menschliche Auge kann ca. 60 Graustufen von einander unterscheiden, ein gut kalibrierter Monitor stellt ungefähr 220 Graustufen dar. 256 Graustufen darstellen zu können klingt nicht nach viel, überschreitet aber das Wahrnehmbare deutlich. Was Farbtöne betrifft kann das menschliche Auge allerdings sehr viel feinere Unterschiede differenzieren.

  • ein RAW-Foto je nach Kamera 10 bis 14 Bit Farbtiefe hat,
    das entspricht mindestens 1 Milliarde Farbschattierungen

Bei der Entscheidung für’s richtige Dateiformat gibt es noch mehr zu bedenken:

  • Mit wieviel Bit Farbtiefe arbeiten die eigenen Bildbearbeitungsprogramme?
    Photoshop kann mit 16 Bit Farbtiefe pro Kanal arbeiten, GIMP nur … weiterlesen –>

[...] einzelner Farben oder sogar des ganzen Bildes (wurde im vorliegenden Fall aber bereits in Teil 2 [...]

[...] in RawTherapee entwickelte Bild, so wie es nach Teil 2 [...]

Alte Fotos reproduzieren, Teil 1: ein Foto wird digitalisiert

Vor  Beginn einer fotografischen Reproduktion wie in Das Geschenk und der 98-Jahre-Workflow stellt sich die Frage: wie wird aus dem (analogen) Abzug eine digitale Bilddatei die am eigenen PC weiterverarbeitet werden kann? Mit der eigenen Ausrüstung, versteht sich.

Digitalisiertes, aber unbearbeitetes Foto

Digitalisiertes, aber noch unbearbeitetes Foto

Wege in den Computer.
Über den passenden Weg für diesen Medienbruch entscheidet auch die Art der Vorlage. Grundlegend bleibt die Wahl zwischen

  • Flachbettscanner
  • Trommelscanner (gut … und teuer)
  • Abfotografieren (bspw. mit einer Reprokamera)
  • (Büro-)Fotokopierer mit Scanfunktion (für Lithographien)

Im Fall des hier vorliegenden, schwarzweißen Abzugs, der vorhandenen Ausrüstung und keinen zu hohen Anforderungen an die Auflösung des Scans entschied ich mich hier für das Abfotografieren mittels einer DSLR.

Reprofotografie.
Auf die folgenden Punkte sollte man grundsätzlich bei jeder Reproduktion achten (s. a. Bilder unten):

  1. Handschuhe tragen (wegen Fett und Schweiß)
  2. Oberfläche entfusseln / reinigen (mit Blasebalg, Pinsel)
  3. Planlage des Bildes sicherstellen (ggf. Glasplatte oben drauf)
  4. die optische Achse exakt senkrecht zur Mitte der Vorlage ausrichten, Sensorebene und Vorlage liegen exakt parallel zueinander
  5. die Kamera sehr stabil befestigen (z. B. mit Reprostativ) und ggf. einen Fernauslöser und Spiegelvorauslösung benutzen
  6. ein gutes verzeichnungsfreies Objektiv benutzen und dabei schön abblenden
  7. feinfühliges Fokussieren, am besten mittels Frontlinse-Objekt-Abstand (nicht mit dem Fokussierring am Objektiv)
  8. eine Fokussierhilfe (bspw. Sucherlupe, Winkelsucher mit Vergrößerung, LiveView mit Vergößerung) benutzen
  9. den Weißabgleich der Kamera auf Objektbeleuchtung anpassen (Reflexionen an farbigen Flächen beachten)
  10. reflexfreie Beleuchtung überprüfen (bei planen Vorlagen im 45°-Winkel, Prinzip Eintrittswinkel = Austrittswinkel)

Wie es hier gemacht wurde.
Der vorliegende Fall hat vieles leichter gemacht: das Bild war Schwarzweiß und es wurde von einer Seite Tageslicht beleuchtet (siehe 9 und 10, der Reproarbeitsplatz ist direkt am Fenster). Die Vorlage war nach 90+ Jahren im gleichen Rahmen plan (3), dass mit dem Tisch verschraubte Reprostativ mit kurbelbewegtem Kameraschlitten (4, 5 und 7) war beim Fokussieren sehr angenehm. Als Objektiv kam ein 50mm-Makroobjektiv an einer Cropsensor-DSLR mit Kabelauslöser zum Einsatz, zur Fokuskontrolle wurden ein Winkelsucher mit Vergrößerungsfunktion und LiveView eingesetzt (6, 8). Die folgenden Bilder zeigen die nach unten schauende Kamera am Reprostativ.

(8) LiveView und Winkelsucher(8) Winkelsucher(8) Winkelsucher mit Vergrößerung(4) Wasserwaage im Zubehörschuh
(4) verzeichnungsarmes Makroobjektiv(5) Fernauslösung benutzen(5) Höhenverstellung der Kamera am Reprostativ(3) Reprostativ mit Tischplatte verschraubt

Ein weiterer Punkt der hier ebenfalls unkritisch war: die Belichtung sollte nach jeder Aufnahme im Histogramm überprüft werden und der ganze Aufbau sollte erst dann abgebaut werden, wenn die Schärfe am Monitor bei 100% geprüft wurde. Tethering kann hierbei helfen, Geld würde ich dafür allerdings nicht investieren. Fotografiert wurde in JPG und RAW (es wurden nur die RAW-Aufnahmen verarbeitet).

Alternativen zum Reprostativ.
Klar, das Reprostativ erlaubt ein sehr komfortables arbeiten, es geht aber auch ohne. Wer für seltene Reproeinsätze sein Dreibeinstativ einsetzen möchte, sollte sich auf jeden Fall eine Libelle (kleine Wasserwaage, hilft auch kleinste Erschütterungen schnell zu Erkennen) für den Zubehörschuh der Kamera besorgen und etwas mehr Zeit zum einstellen des Stativkopfes mitbringen. Kurze Belichtungszeiten sind ratsam, mit Blitzbeleuchtung auch kein Problem.
Doch nicht vergessen: in der eBucht gibt es zeitweilen günstige Reprostative in gut erhaltenem Zustand und aus einem alten Vergrößerer lässt sich mit wenig Mühe ebenfalls eine perfekte Lösung selbst bauen.

In Teil 2 dieser kleinen Serie wird das nun digitalisierte Foto im Raw-Entwickler entsättigt und die Kontraste angehoben. Selbstverständlich mit kostenfreier (Open Source) Software, UFRaw und alternativ RawTherapee. Doch keine Angst, alles lässt sich auch mit anderen Raw-Entwicklern leicht nachmachen.

[...] in Teil 1 digitalisierte 98 Jahre alte Familienfoto soll im nächsten Schritt als Raw-Bild entwickelt werden. [...]

Peter (1 comments)Montag, 30. Juli 2012 - 12:11:38

Hallo, das klingt hier alles gut und schön, nur wäre es für mich als Laie einfach zu schwierig und auch zu zeitaufwendig, denke ich. Ich für meinen Fall bringe meine SW- Bilder, Dias, etc. lieber zu einem Dienstleisters meines vertrauens (z.B. http://www.scannemeinefotos) oder andere Dienstleister. Da wird mir schon für kleines Geld geholfen und ich muss mir die teuren Geräte nicht selber anschaffen. Ich denke, sowas wäre eine ganz gute alternative vor allem für ältere Leute wie mich.

Uwe (1 comments)Samstag, 04. August 2012 - 19:09:41

Hallo Peter,
seine Bilder vom Dienstleister des eigenen Vertrauens scannen zu lassen ist einfacher und schneller, d’accord. Zumindest wenn man selbst nicht über die notwendige Technik verfügt. Das so gescannte Foto anschließend digital “aufzuhübschen” (wie in Teil zwei, drei und vier beschrieben) dürfte allerdings wenige hundert Euro kosten. Für ein einziges Bild ist das viel Geld.

Das Geschenk und der 98-Jahre-Workflow

Vom Unikat eines alten Familienfotos, dessen Reise durch halb Europa, wie es 98 Jahre nach der Belichtung dank digitaler Bildbearbeitung zu neuem Leben kam und einige der Gedanken die auf diesem Wege entstanden.

Original und Reproduktion

Original und Reproduktion

1913, ein Tag im Frühjahr/Sommer, in einem osteuropäischen Land.
Es ist ein schöner Tag und sie haben sich entschlossen etwas gemeinsam zu tun, was wahrscheinlich für sie alle das erste mal in ihrem Leben ist. Sie werden sich fotografieren lassen. Es war kein schneller Entschluss, denn Fotografien sind teuer. Dennoch ziehen Sie ihre Tracht an und machen sich zu fünft auf einen zweistündigen Weg in die nächst größere Stadt, zum dortigen Fotografen. Der Fotograf (möglicherweise ein Wanderfotograf) positioniert sie vor seiner Kamera aus Holz und lichtet sie ab. Drei Generationen zeigt das Bild.

1946, Abschied von der Heimat.
Ihre Familien sind vor über zweihundert Jahren aus Schwaben hierher gekommen und haben hier eine neue Heimat gefunden. Doch der Krieg ist vorbei und als Angehörige einer deutschen Minderheit sind sie unerwünscht. Sie packen ein was sie tragen können. Die kleine Fotografie wird ebenfalls eingepackt. Die Gruppe auf dem Foto ist allerdings nicht mehr komplett. Der kleine Junge auf dem Foto ist herangewachsen, hat selbst geheiratet, ist Vater zweier Töchter geworden, wurde zur Wehrmacht eingezogen und gilt an der Ostfront als verschollen.  Die Fotografie ist die einzige die von ihm erhalten ist. So wird die Großfamilie mit Tausenden anderer per Zug nach Deutschland geschickt.

Ende der 1950er Jahre, Deutschland, Hessen.
Beide Töchter sind zwischenzeitlich verheiratet und die Mutter überlässt ihrer jüngsten Tochter die Fotografie die ihren Vater zeigt (den kleinen Jungen), an den sie sich kaum noch erinnern kann.

2011, im Herbst.
Es kommt wieder mal völlig unerwartet, der Geburtstag meiner Lieblingstante steht auch dieses Jahr wieder kurz bevor. Was schenke ich ihr? Die guten Ideen und ein paar weniger gute habe ich in den letzten Jahren … weiterlesen –>

Was war, was ist, was auf uns zukommt » blog.intermayer.com (1 comments)Dienstag, 27. Dezember 2011 - 20:46:53

[...] Zugegeben, im Blog hat sich diese Dynamik nicht gespiegelt. Dennoch hat sich auch bei mir in 2011 Einiges in Sachen Fotografie getan. Ich durfte manches beobachten, ein paar kleine Erfahrungen machen und dazu eine Menge Gedanken. Zum Beispiel: so hat mich eine alte Fotografie aus dem Familienfundus mehr und Wertvolleres gelehrt, als 28 Jahre im Umgang mit einer SLR-Kamera. Doch dazu zwischen den Jahren mehr bei der Geschichte “Das Geschenk und der 98-Jahre-Workflow“. [...]

[...] Beginn einer fotografischen Reproduktion wie in Das Geschenk und der 98-Jahre-Workflow stellt sich die Frage: wie wird aus dem (analogen) Abzug eine digitale Bilddatei die am eigenen PC [...]