Archiv für die Kategorie ‘Fotografie’

Bildpräsentation im Netz: was braucht Dein Bild?

Mittwoch, 10. März 2010

Im letzten Artikel der Serie ging es um den Einfluss der Zielgruppe auf die Art der Präsentation. Dieser Artikel befasst sich damit, wie das Bild die geeignete Präsentation mit zu bestimmen.

Wieso sollte das Bild die Art der Präsentation beeinflussen? Ganz einfach: bei der gleichen Präsentation wirken Bilder oft verschieden. Wie? Was ich meine? Ein paar Beispiele.

Klein aber oho. In ihren Thumbnail-Übersichten zeigen es besonders Flickr und Mikrostockportale überdeutlich: manche Fotos wirken selbst als kleines Thumbnail noch sehr stark, während andere Fotos in der gleichen Auflösung zu optischem Matsch werden. So fallen dann geeignete Fotos auch in einer großen Menge briefmarkengroßer Vorschaubilder deutlich auf.
Beispiele: Produktfotos, freigestellte Personenfotos, abstrakte Bilder, Lithographien.

2010-03-11-screen02 Welche Bilder wirken auch bei kleiner Auflösung?
Die Thumbnail-Übersicht macht’s deutlich.

Think big. Aufnahmen mit großem Detailreichtum wirken am besten … groß. Neben anderen Vorschaubildern kommen sie in einer kleinen Auflösung kaum zur Geltung werden gerne übersehen. Mit einer Auflösung von 500 Pixel fangen sie an zu wirken, aber erst ab Auflösungen von 800 Pixel und mehr macht das Betrachten richtig Spaß. Oder sind die Bilder gar so detailreich, dass sie zoom-bar sein sollen?
Beispiele: Landschaftsaufnahmen, HDRs, Panoramafotos.

2010-03-11-screen01 Wirkt nicht klein: ein 360°-Panorama mit 1,02 Gigapixel

Ohne Worte oder ein Bild + 1000 Worte. Die puristischste Form der Bildpräsentation bieten Fotoblogs: eine Bildschirmseite, ein Foto, kein Text, kaum Bedienelemente. Wer andererseits gerne Bilder mit Text versieht, oder Texte mit Bildern illustriert, der wird ein Medium vorziehen indem Text und Bilder einfach kombiniert werden können.
Beispiele: Blogs für “Ein Bild am Tag”- Projekte, eindrucksvolle Präsentation von Einzelbildern, Illustration von Liedtexten.

Einzelkämpfer oder Teamplayer. Viele Fotografen präsentieren ihr Portfolio … aus Einzelbildern. Da sind dann Fotos in groß zu sehen, Navigationselemente und Thumbnails. Was aber, wenn Bildserien oder Essays gezeigt werden sollen. Dann sollte die primäre Form der Präsentation eine Serie oder das Essay zeigen, mit der Möglichkeit einzelne Fotos zu vergrößern.

Die grundlegenden Gedanken zum Thema sind also vorerst komplett. Fortgesetzt wird die Serie mit Erfahrungsberichten zur Bildpräsentation auf verschiedenen Plattformen: dem stinknormalen Blog, dem gepimpten Blog, dem reinen Fotoblog, einer normalen Foto-Community, Flickr, einem Panorama-Portal und … mal schauen ;-)

Inhalte der Serie "Bildpräsentation im Internet"

  1. Bildpräsentation im Internet: wie gehe ich’s an?
  2. Bildpräsentation im Internet: wie, wo, für wen?
  3. Bildpräsentation im Netz: was braucht Dein Bild?

Tilt it, baby!

Mittwoch, 10. März 2010
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Gadget des Monats: Tilt-Adapter

Sonntag, 28. Februar 2010

Tilt- und Tilt-Shift-Objektive sind schon eine feine Sache. Durch geschickte Nutzung des Scheimpflug-Prinzips kann die Schärfentiefe vergrößert oder verkleinert werden (bspw. bei Fake Miniature). Besonders imposant wird es natürlich wenn der Effekt in Zeitrafferfilmen eingesetzt wird, wie denen von Keith Loutit.
Wenn es da nicht einen entscheidenden Nachteil gäbe: die hohen Investitionskosten.

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Mit Preisen meist jenseits der 1000,- Euro Schallmauer für eine entsprechende Festbrennweite machen es die großen Kamerahersteller vielen Hobbyisten nicht gerade einfach. Die Auswahl an Fremdobjektiven ist ebenfalls oft begrenzt.
Viel Geld für ein Objektiv das manuell fokussiert wird, an dem oft auch die Blende manuell einzustellen ist und das am besten vom Stativ aus eingesetzt wird. Das trifft allerdings auch auf die Hardware-Alternativen zu.

Klar, der Fake-Miniature-Tilt-Effekt kann auch per Software simuliert werden. Zwar sind die Aufnahmen oft als “nicht echte” Tilt-Aufnahmen erkennbar, beeindruckende Zeitrafferfilme gibt es aber auch mit dieser Technik (Bsp. The Sandpit von Sam O’Hare).

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Aber neben “teuer” und “Software-Fake” gibt es noch weitere Alternativen. Z. B. ein Mittelformatobjektiv (des größeren Bildkreises wegen) an einem Adapter für Kleinbild (D)SLRs.

2009-040d-0022-e01-dmgal Mittelformatobjektive sind in Brennweiten > 30mm für wenig Geld gebraucht zu bekommen, ein Adapter wie der meine von ARAX Foto schlägt mit ca. 100,- Euro zu buche. Der große Vorteil: für schmales Geld sind unterschiedlichste Brennweiten sehr leicht einsetzbar, auch an der Vollformat-DSLR. Nachteil: starke Weitwinkelobjektive mit großen Blickwinkeln kommen so leider nicht an die Kamera.

Die Arbeit mit dem Adapter macht richtig Spaß: um bis zu 8° stufenlos tiltbar, um 360° drehbar (rastet in 15° 30°-Schritten) und der mechanische Aufbau ist äußerst robust. In Kombination mit einem 50mm-Sonnar und einem 180mm-Tele hat sich der Adapter bei mir bereits bewährt
Es gibt die Adapter für unterschiedliche Kameraanschlüsse und (vom Hersteller AraxFoto) mit dem Bajonett für Pentacon-Six-Objektive. Ein Schmankerl: für die Pentacon Six wurden auch von Carl Zeiss (in der DDR) recht gute Objektive gebaut.

Die Rubrik “Gadget des Monats” ist ein Produktreview auf Basis eigener Erfahrungen, aus eigenem Antrieb.
Dieser Blogpost ist keine Werbung, kein Advertorial, kein verabredeter Produkt-Review. Es gibt nur eine Verbindung mit dem Hersteller bzw. dessen Vertriebspartnern: ich bin Kunde.

Inhalte der Serie "Gadget des Monats"

  1. Gadget des Monats: Sucherlupe
  2. Gadget des Monats: Tilt-Adapter

Bildpräsentation im Internet: wie, wo, für wen?

Sonntag, 07. Februar 2010

Schnell sind die eigenen Fotos im Internet, aber: präsentiere ich meine Werke auch optimal? Und den richtigen Leuten? Tipps für und Fragen an Interessierte.

Mann, war das früher mühsam. Die Filme mussten erst aus der Entwicklung zurück sein, von Hand gescannt werden und dann wurde nachbearbeitet. Dann der Upload, die Fotos im HTML einbetten, preview, weiteres Tuning …
Vor acht bis zehn Jahren war das schon ein mühseliges Unterfangen.Und heute? Wenn der Upload nicht gleich von der (Handy-)Kamera erfolgt, ist der Weg doch eher flott: Speicherkarte ausgelesen, minimale Korrekturen und mit einem geeigneten Programm in einem Schritt uploaden, benamsen und ggf. taggen – et viola.
Klar, mit den Ansprüchen wächst der Aufwand für den Workflow, aber im Vergleich bleibt das Tempo immer noch rasant.

Aber kaum hat man sich bei einer der großen Foto-Communities angemeldet und ein paar Fotos hochgeladen, oder einen Fotoblog eingerichtet, schon kommen unbequeme Fragen.
Gefällt mir die Art der Präsentation? Anderen auch? Lenkt die Benutzeroberfläche nicht ab? Sind die Fotos zu klein? Was, wenn da einer meine Fotos klaut? Was, wenn die Falschen Leute meine Fotos sehen?

Sich vor dem Upload einige Fragen zu stellen – vielleicht auch nochmal nachdem man die eigene Fotogallery schon eine Weile online hat – ist eine gute Idee.

Wer soll / darf meine Fotos sehen? Das Foto von der beim Baden fotografierten vier Monate alten Tochter soll nur die Familie sehen. Die Dokumentation der letzten Kegelclubfete auf keinen Fall die Kollegen.
In der Frage steckt schon eine feine Abstufung: wer soll die Fotos sehen (primäre Zielgruppe) und wer darf (sekundäre Zielgruppe) oder darf nicht (Ausschlussgruppe) die Fotos betrachten.
Haben die eigenen Fotos einen künstlerischen Anspruch, dann macht eine große Zielgruppe Sinn. Wer das Heranwachsen seiner Kinder dokumentiert wird sehr gezielt bestimmen wollen wer Zugriff hat. Wem manche der eigenen Bilder gar peinlich sind oder wer nicht möchte das jedermann ein Foto gleich mit dem Fotograf in Verbindung bringen kann, der muss vielleicht sogar zu einem Pseudonym greifen. Vorher ein paar Gedanken daran zu verschwenden empfiehlt sich, schließlich vergisst das Internet nichts.
Meine Fotos darf jeder sehen, meine Hauptzielgruppe sind Fotointeressierte und Anonymität brauche ich nicht.

Wie tech-savvy sind meine Zuschauer? Wer Bilder mit älteren Generationen teilen möchte, der wird eine übersichtliche Benutzerschnittstelle (die auch Silver-Surfer gerne bedienen) vorziehen. Die Generation Upload hat im Lauf der Zeit gelernt zwischen Inhalt und Medium zu unterscheiden, da stört dann auch eine komplexes GUI kaum noch. Der Ästhet fühlt sich von Bedienelementen schon abgelenkt, bei Communities mit Geek-Faktor (ala Flickr) wird er nimmer glücklich.
Mir ist es wichtig das möglichst viele Menschen Zugang zu meinen Fotos bekommen, eine einzige Bildgalerie genügt meinen Zwecken nicht.

Was zeige ich, einen Schuhkarton mit Fotos oder Kunst? Sind es nur die besten Ergebnisse meiner Fotografie die ich zur Schau stellen will oder auch den Weg dorthin? Oder dokumentiere ich Geschehnisse und möchte mich mit vielen Bildern mitteilen. Nicht nur in der Kunst gilt: weniger ist mehr, ein Portfolio enthält kaum hunderte Fotos, die Dokumentation einer Hochzeit hoffentlich (viel) mehr als fünf. Außerdem: Freunde und Familie sind zwar sehr gnädig wenn es um Gestaltung und Bildqualität geht, die guten Treffer wie die Stecknadel im Heuhaufen zu suchen überfordert auch sie.
Ich möchte zweierlei: eine gediegene Präsentation meiner besten Fotos, genauso wie einen “virtuellen Schuhkarton” in dem auch Experimente, Doku und nicht optimale Fotos Platz haben. Also zwei verschiedene Präsenzen.

Im nächsten Artikel dieser Serie geht es dann darum wie die Inhalte und Themen der eigenen Fotografie die Art der Präsentation mitbestimmen.

Inhalte der Serie "Bildpräsentation im Internet"

  1. Bildpräsentation im Internet: wie gehe ich’s an?
  2. Bildpräsentation im Internet: wie, wo, für wen?
  3. Bildpräsentation im Netz: was braucht Dein Bild?

Gadget des Monats: Sucherlupe

Dienstag, 26. Januar 2010

Manuelles Fokussieren ist heute kein Spaß mehr. Das Sucherbild ist oft dunkel, klein, die Suchermattscheiben kaum zur Beurteilung der Bildschärfe tauglich. Auf dem Kameradisplay zeigen bestenfalls hohe Zoomfaktoren ob die Aufnahme scharf war oder nicht.

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Mit Autofokus und Blenden jenseits der 8 fällt all das freilich kaum ins Gewicht. Beim manuellen Arbeiten (z.B. bei der Makrofotografie, Panoramafotos, HDR-Aufnahmen oder Tilt-Shift-Objektiven) verzweifelt man beim betrachten der Bilder am heimischen Bildschirm schon mal. Ja, die eigene nachlassende Sehschärfe trägt ihren Teil zum Problem bei.

SONY DSC Dabei ist Abhilfe einfach: in kniffligen Situationen einfach die Sucherlupe andocken. Sie kann rotiert,  weggeklappt und feinjustiert werden.
Mein Exemplar ist mir bei einem Fotoflohmarkt neuwertig für EUR 40,- in die Hände gefallen (Originalzubehör des Kameraherstellers). Der Vergrößerungsfaktor ist 2,3 – damit sind sogar die Fresnellinien der Mattscheibe erkennbar. Beim bodennahen Arbeiten nimmt ihr großer Bruder, der Winkelsucher mit einklappbarer Sucherlupe, ihre Rolle als nützliches Zubehör ein.

Die Rubrik “Gadget des Monats” ist ein Produktreview auf Basis eigener Erfahrungen, aus eigenem Antrieb.
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Inhalte der Serie "Gadget des Monats"

  1. Gadget des Monats: Sucherlupe
  2. Gadget des Monats: Tilt-Adapter

Bildpräsentation im Internet: wie gehe ich’s an?

Sonntag, 24. Januar 2010

Gedanken zur Präsentation der eigenen Bilder im Netz und wie das Bessere immer der Feind des Guten bleiben wird.

Gehen wir nochmal die Checkliste durch: ich informiere mich im Internet über Fototechnik, alle EBV-Tutorials bekomme ich aus dem Internet, Abzüge und Prints auf Leinwand bestelle ich auch über’s Internet.

2010-01-24-screen02-gr Klar, meine Bilder präsentiere ich auch im Netz. Aber wie? Als gelegentlichen Artikel auf dem eigenen (Wordpress-)Blog, als Galeriefunktion in Wordpress, auf einem dedizierten Fotoblog, in einer der Fotocommunities, auf einer dedizierten Webseite?

Bei den einschlägigen Communities hat man sich schnell angemeldet und ein paar Bilder hochgeladen, so weit so gut.
Doch die Benutzerschnittstellen und die Bildpräsentation lassen leider immer wieder zu wünschen übrig. Je nach Anbieter geht es für den Benutzer wenigstens noch funktional zu, der eigene Sinn für Ästhetik wird aber oft herausgefordert.

2010-01-24-screen01-gr Doch gottlob geht’s auch anders. Die Möglichkeiten zur ansprechenden Bildpräsentation sind vielfältig. Vom kommerziellen Sorglospaket bis hin zu Lösungen für den selbst gehosteteten Webspace – für jeden Topf findet sich ein Deckel.

Zumindest für den, der  ausdauernd sucht. Für den kleinen ebenso wie für den großen Geldbeutel findet sich etwas. Kaum hat man für sich die Lösung entdeckt die passt wie die sprichwörtliche Faust auf’s Auge, schon stolpert man beim Nachbarn auf eine noch bessere wenn nicht schönere Lösung.

Wie ich auf dieses alte Thema komme? Im Lauf der Zeit habe ich das ein oder andere ausprobiert, wieder verworfen, neues begonnen und ebenfalls verworfen.
Und es ist wieder mal soweit: hier muss sich etwas ändern. Ein Fotograf der sich im Internet tummelt muss seine Bilder auch dort präsentieren. Ohne große Worte, ohne großen administrativen Aufwand, viel Platz auf dem sich die eigenen Bilder breitmachen.

Vor den Erfolg haben die Götter den Schweiss gesetzt. Wie wahr! Da werden Gedanken investiert, Dinge ausprobiert, beim Nachbarn einiges abgeschaut, gelernt, die Spezifikation weiter ausgefeilt und und und.
Dieser Blog soll also schöner werden. Dazu gibt’s in den nächsten Wochen Gedanken, Fragen und Erfahrungen. Eure Fragen, Hinweise, Kommentare und ggf. Guest Posts sind dabei jederzeit willkommen.

Vor den Erfolg haben die Goetter den Schweiss gesetzt

Vor den Erfolg haben die Goetter den Schweiss gesetzt

Inhalte der Serie "Bildpräsentation im Internet"

  1. Bildpräsentation im Internet: wie gehe ich’s an?
  2. Bildpräsentation im Internet: wie, wo, für wen?
  3. Bildpräsentation im Netz: was braucht Dein Bild?

Hat man denn im Netz nie seine Ruhe?

Sonntag, 10. Januar 2010

Was waren das noch für goldene Zeiten! Dein Sensor hieß “Film” und noch nicht analog, Du hast für Dich selbst fotografiert, neben Deinem Schreibtisch stapelten sich Diakästen und Abzüge in Schuhkartons, keiner hat sich für Dein Zeug’s interessiert und Du wurdest in Ruhe gelassen.

2010-01-08_screen01

“Du brauchst ein digitales Zuhause im Web 2.0″ haben sie gesagt. “Eine eigene Webseite oder einen Fotoblog musst Du haben” haben Sie gesagt. “Ja, und bei Flickr und fotocommunity.de musst Du Deine Bilder einstellen.”

Ich habe dann all das gemacht und schwer war’s ja eigentlich nicht. Dutzende kamen täglich vorbei, Hunderte schauen sich Deine Bilder auf Flickr an. Das ist so, als ob eine Rolltreppe durch Dein digitales Wohnzimmer führt und alle schauen was an Deinen Wänden hängt. Tag und Nacht.
Manchmal findet dann einer Gefallen an Deinem Zeugs, verpetzt es Anderen und plötzlich stehen sie zu Tausenden mitten drin in Deinem digitalen Heim. Haben die denn alle kein eigenes Zuhause???

Nee wirklich, wo sich früher nur Deine Familie und Freunde bei Deinen Diashows das Gähnen verkniffen, da wird heute der Exhibitionismus offen im Netz ausgelebt. Und alle finden’s auch noch “cool”. Plötzlich ist jeder ein Künstler (oder Wünstler?). Neeneenee, ich weiß nicht …

26C3: Photography & the Art of Doing it Wrong

Mittwoch, 06. Januar 2010

Berlin, Ende Dezember. Die junge amerikanische Fotografin Audrey zeigt (Video) wie Mißgeschicke und ungewöhnliche Ideen zu ungewohnten Bildern führe.

Audrey beginnt mit ein paar Klassikern: einer achtstündigen Belichtung von Niépce auf Bitumen of Judea, wie es Daguerre aus Versehen gelang den ersten Mensch in einem Foto festzuhalten und mit ein paar anderen Beispielen wie die ersten Fotografen eben auch Bastler und Hacker waren.

Experimental artists, like hackers, use the flaws and weaknesses of their medium to bend it to their will. New techniques are often discovered by accident or through questioning “what happens if I…?”

Und so sind Ihre Projekte schon eher ungewöhnlich. Beschädigte Bilder einer defekten Speicherkarte gehören genauso dazu wie angekokelte Dias und Filmschnipsel die auf einem Stück Papier mit Nadel und Faden zusammengenäht wurden um anschließend in einer Großformatkamera zu landen.

Gefällt’s? Vielleicht, vielleicht auch nicht. Die spielerische Kreativität mit der das Medium Fotografie zu allen möglichen Zwecken “verbogen” wird ist auf jeden Fall erfrischend. Mit solchen Ideen im Hinterkopf muss auch 2010 wieder zu einem interessanten fotografischen Jahr werden.

26C3: Ende der Street Photography?

Montag, 28. Dezember 2009

Gestern: ein interessanter Vortrag des Fotojournalisten Axel Schmidt zum Thema “Das Recht am eigenen Bild und das Ende der Street Photography”.

SONY DSC Einige der Nachbarblogs hatten ja im Lauf diesen Jahres über die gesetzliche Situation in Sachen Street Photography berichtet (bspw. Kwerfeldein zum ersten / zweiten / dritten) … und damit leider auch zur Verunsicherung beigetragen.
Das Problem: werden alle rechtlichen Möglichkeiten ausgereizt, dann ist mit Street Photos nicht mehr viel anzufangen und der Fotograf setzt sich juristischen Risiken aus.

Auf dem 26c3 (26ster Chaos Communication Congress) im Berliner bcc sprach gestern der Fotojournalist Axel Schmidt (von ddp) über seine praktischen Erfahrungen mit dem Thema.
Neue Erkenntnisse über die gesetzliche Situation gibt es zwar nicht, dafür aber reichlich Tipps und Tricks eines Praktikers. Auf jeden Fall interessant.

Wer diesen und weitere Vorträge vom 26c3 anschauen möchte findet auf dieser Seite Links zu den Streams und ggf. zu den fertigen Videos. Oder bei Youtube und Vimeo einfach mal die Augen offen halten. Oder Ihr kommt einfach her :-)

WBF 2009 – Kampf mit dem Bokeh-Monster

Mittwoch, 16. Dezember 2009

Oder auch: Warum ein lichtstarkes Objektive für viel Geld manchmal ziemlich bockig ist und wie man das Monstrum zähmt um damit gute Bilder zu produzieren.

2009-034d-0029-e01-dmgal

Was für’n Bock? Nein nein, es geht um Bokeh und Wikipedia definiert den Begriff so:

Bokeh (von jap. boke „unscharf, verschwommen“ [1]) ist ein in der Fotografie verwendeter Begriff, um die subjektive, ästhetische Qualität von unscharfen Gebieten in einer fotografischen Abbildung zu kennzeichnen, die von einem Objektiv projiziert werden. Es geht dabei nicht um die Stärke der Unschärfe, sondern darum, wie die Unschärfebereiche aussehen.

Wer ein Hohelied über das Bokeh im Allgemeinen hören will wird ja schon bei den Blognachbarn fündig (hier, dort, da, da auch). Auch an Blogposts über das richtige Stück Glas für’s schöne Bokeh herrscht aktuell kein Mangel (siehe bei kwerfeldein, zoomyboy, Martin Bailey).
Dafür geht es in diesem Artikel um die Frage warum sog. “Bokeh-Monstren” auch oft unscharfe Ergebnisse produzieren und wo die Ursachen liegen.

2009-034d-0024-e01-dmgal Bokeh-Monster? Ein Objektiv mit hauchdünner (kurzer) Schärfentiefe, am Fokuspunkt muss die Schärfe dann aber wirklich “knackig” sein.
Von Details  der Objektiv-konstruktion abgesehen gibt es ein paar einfache Faktoren die zu Unschärfe und damit Bokeh beitragen: mittlere bis lange Brennweite, hohe Lichtstärke (1.8, 1.4, 1.2, 1.0), mittlere bis kurze Aufnahmeentfernung. Wenn Bokeh eine Rollse spielt greife ich oft zu Brennweiten mit Offenblende 1.4, hier 50 und 85 mm Brennweite.

Wo liegt das Problem? Leider genau dort wo man es nicht vermutet: viele der Aufnahmen die mit einem Bokeh-Monster entstehen sind unscharf. Genauer: sie sind nicht dort scharf wo es dem Foto gut täte, häufig aber in bildunwichtigen Bereichen. Wie kommts? Bei mir haben die folgende n Punkte zum Problem beigetragen:

  1. Front- und Backfokus (auch lesenswert: Wonco)
  2. Falscher Motivteil fokussiert
  3. Autofokussystem der Kamera überfordert
  4. Schärfekontrolle im Sucher kaum möglich
  5. Fokus and Recompose

1. Front- und Backfokus: 2008-075S-0030-e01-webgal.jpg der Artikel von Wonco ist wirklich lesenswert und lässt kaum Fragen offen. Eigene Efahrung zum Thema: bei einem Objektiv konnte ich Frontfokus gerade noch nachweisen, für mich kein  Thema.

2. Falscher Motivteil fokussiert: ja kommt vor. Bei mir häufig aus Versehen oder in der Hitze des Gefechts. Übung und Erfahrung tragen zur Fehlermeidung bei.

3. Autofokussystem der Kamera überfordert: zu wenig Kontrast unter dem AF-Sensor, zu dunkel, der Sensor ist zu groß, zu langsam, …
Ein hochgezüchtetes AF-System ist kein akademischer Vorteil hier zahlt er sich praktisch aus. Durch die Bank finden sich die performantesten AF-Systeme eher im hochpreisigen Segment wieder. Schade, das wird aber meine zukünftige Kaufentscheidung beeinflussen.

4. Schärfekontrolle im Sucher kaum möglich: 2008-076S-0006-e03-webgal.jpg immer kleiner, dunkler und von vorne bis hinten gestochen scharf – der Blick durchs Sucherokular vieler DSLR ist enttäuschend. Besonders bei Crop-Sensor-DSLR ist das Problem technologisch kaum vermeidbar. Das Problem ist zwar meist nicht ursächlich für unscharfe Bilder, verhindert aber leider die Erkennung und Vermeidung.
Doch Abhilfen sind (manchmal) möglich: für viele Spitzenmodelle sind Suchermattscheiben speziell für die manuelle Schärfebeurteilung verfügbar, eine Sucherlupe kann beim entschleunigten Fotografieren ebenfalls helfen.
Bei meiner nächsten DSLR wird sich das in den Auswahlkriterien wiederfinden.

5. Focus and (then) recompose: 2008-095S-0018-e01-webgal.jpg das Prinzip ist simpel – mit dem besten (oft dem zentralen) AF-Sensor den bildwichtigen Motivteil fokussieren, Fokus festhalten und rekomponieren. Funktioniert extrem gut mit Weitwinkelobjektiven aber mit einem Bokeh-Monster …
Wer  häufig den Fokus statt auf den Augen des Motivs auf dem Ohransatz hat und schon einen Fall von Backfokus vermutet, der sollte mal einen der kritischen Blogposts zum Thema lesen (hier, hier ebenso, wie auch da und dort). Einzig Kamerahersteller Hasselblad scheint bisher daraus gelernt zu haben (siehe Heise und Hasselblad).
Eigenes Fazit: mit Schärfentiefe im Bereich von Millimetern, bei geringer Aufnahmeentfernung und deutlichem schwenken zwecks Recompose ist dieser Fehler signifikant. Focus und Recompose werde ich in solchen Situationen künftig seltener nutzen.

Wie zähmt man nun ein Fokus-Monster? Mein Vorschlag kommt dem ein oder anderen bekannt vor: Übung, Fehleranalyse und lernen (so wie oben beschrieben), weiter üben.
Ein Objektiv vom Schlag eines 1.4 / 85mmm reißt ein spürbares Loch in die Kasse, Übung im Umgang damit ist zwingend notwendig und verglichen mit den Anschaffungskosten unendlich preiswert.

Hast Du ähnliche Erfahrungen gemacht?
Bist zu zu den gleichen oder anderen Schlüssen gekommen?
Hat Dich der Artikel weitergebracht oder fehlt Dir etwas?

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