Alte Fotos reproduzieren, Teil 4: Gesichter retuschieren

Zum Abschluss der Retusche an einem historischen Foto werden noch die Gesichter einer gesonderten Behandlung unterzogen.

Gesichter schrittweise retuschieren

Gesichter schrittweise retuschieren

Warum eigentlich eine Extrawurst nur für die Gesichter?
Bei einer fotografischen Reproduktion – und einer anschließenden Vergrößerung, wie im vorliegenden Fall – wird die Auflösung eher durch die Qualität der Vorlage, als durch die eigentliche Reproduktion begrenzt. Fehlende Auflösung wird dann vom Betrachter meist als Unschärfe, Filmkorn als runzlige Struktur wahrgenommen. Beides fällt zwar in den meisten Bildteilen kaum auf, an kritischen Stellen (den Stellen an denen das Auge des Betrachters am längsten verweilt), wie Gesichtern und Accessoires, machen sich aber Unschärfe und unruhige Oberflächen sehr deutlich und störend bemerkbar.

Die Schrittweise Bearbeitung
Auch in diesem letzten Teil erfolgte die Bearbeitung in GIMP, sollte also mit jeder Bildbearbeitungssoftware die Ebenen und Masken beherrscht, umgesetzt werden können.

  1. Hochpass-Filter

    Hochpass-Filter

    Das in RawTherapee entwickelte Bild, so wie es nach Teil 2 aussah

  2. Nach der Reparatur von Bildfehlern wie in Teil 3 beschrieben;
    die Ergebnisse sind nicht nur im Hintergrund zu erkennen, auch in den Gesichtern lagen einige Kratzer und andere Beschädigungen der Emulsion; gut zu erkennen bei der Frau links im linken Teil ihrer Unterlippe und bei dem Herrn in der Mitte auf seiner rechten Wange (jeweils aus Sicht der abgebildeten Person)
  3. Haut glätten mit Flecken entfernen;
    die Bildebene wird dupliziert (hier wurde mit Ebene/Neu aus Sichtbarem ein Duplikat angelegt, nicht mit Ebene/Ebene duplizieren), mit Filter/Verbessern/Flecken entfernen wird der entsprechende Dialog aufgerufen, Median Anpassend und Median Rekursiv abgewählt und ggf. mit dem Parameter Radius variiert, Schwellwert Schwarz wird auf Minimum gesetzt, Schwellwert Weiß auf Maximum;
    bei Bedarf kann mit Filter/Rauschen/HSV-Rauschen wieder eine Porenstruktur hinzugefügt werden, darauf wurde hier aber verzichtet (wegen Schritt 5)
  4. Auf die Ebene aus 3 wird eine Ebenenmaske angewandt;
    auf Anhieb sieht das zwar bei der Frau links (heller Teint) gut aus, bei der Frau rechts und dem Herren (jeweils mit dunklem Teint) wirkt es stark übertrieben
  5. Die Deckkraft der Ebene aus 4 wird nach Belieben reduziert (hier auf 30%);
    die Schritte 3 bis 5 habe ich durch das Tutorial von Bernhard Stockmann GIMP für digitale Fotografie, Webdesign & kreative Bildearbeitung erlernt (erschienen bei Galileo Press)
  6. Selektives Schärfen mit dem Hochpassfilter;
    vorweg: wer in GIMP mit einem Hochpassfilter arbeiten möchte muss diesen zuerst per PlugIn nachrüsten (kostenlos, versteht sich) oder die Schritte jedes Mal einzeln durchführen;
    das Bild rechts oben zeigt den als eigene Ebene eingefügten Hochpassfilter, Konturen werden extrem hervorgehoben (das ich den Filter auf die un-retuschierte Ebene angewandt habe, fiel mir erst beim schreiben dieses Artikels auf);
    im nebenstehenden Bild unten sieht man den ungebremsten Hochpassfilter im Ebenenmodus Überlagern;
    im Bild 6 ganz oben wurde der Filter per Ebenenmaske auf Augen, Augenbrauen, Schnurrbart und Lippen begrenzt, weiterhin wurde die Ebenendeckkraft auf 55% reduziert;
    diesen Trick habe ich übrigens bei wonco aufgesammelt, leider habe ich sein hervorragendes Tutorial Beauty Retusche bisher nicht wieder gefunden

Endlich fertig?
Ja, damit war in diesem Fall die Retusche vollständig abgeschlossen. Da die Bearbeitung für den Ausdruck erfolgt war, wurde das Bild auf Hochglanzpapier in Schwarzweiß gedruckt (Größe 20*28 Zentimeter, im Vergleich zu 10*13 cm des Originals) und in einem passenden Rahmen hinter Glas mit Passe partout gerahmt. Nett verpackt war das perfekte Geschenk komplett.

Was bleibt?
Pro: das Gefühl etwas Richtiges gemacht zu haben und dabei viel neues in Sachen Bildbearbeitung erlernt zu haben.
Contra: was mache ich mit den vielen anderen historischen Bildern in meinem Fundus? Und wann? Ein neues Luxusproblem ist geboren …

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