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Alte Fotos reproduzieren, Teil 1: ein Foto wird digitalisiert

Vor  Beginn einer fotografischen Reproduktion wie in Das Geschenk und der 98-Jahre-Workflow stellt sich die Frage: wie wird aus dem (analogen) Abzug eine digitale Bilddatei die am eigenen PC weiterverarbeitet werden kann? Mit der eigenen Ausrüstung, versteht sich.

Digitalisiertes, aber unbearbeitetes Foto

Digitalisiertes, aber noch unbearbeitetes Foto

Wege in den Computer.
Über den passenden Weg für diesen Medienbruch entscheidet auch die Art der Vorlage. Grundlegend bleibt die Wahl zwischen

  • Flachbettscanner
  • Trommelscanner (gut … und teuer)
  • Abfotografieren (bspw. mit einer Reprokamera)
  • (Büro-)Fotokopierer mit Scanfunktion (für Lithographien)

Im Fall des hier vorliegenden, schwarzweißen Abzugs, der vorhandenen Ausrüstung und keinen zu hohen Anforderungen an die Auflösung des Scans entschied ich mich hier für das Abfotografieren mittels einer DSLR.

Reprofotografie.
Auf die folgenden Punkte sollte man grundsätzlich bei jeder Reproduktion achten (s. a. Bilder unten):

  1. Handschuhe tragen (wegen Fett und Schweiß)
  2. Oberfläche entfusseln / reinigen (mit Blasebalg, Pinsel)
  3. Planlage des Bildes sicherstellen (ggf. Glasplatte oben drauf)
  4. die optische Achse exakt senkrecht zur Mitte der Vorlage ausrichten, Sensorebene und Vorlage liegen exakt parallel zueinander
  5. die Kamera sehr stabil befestigen (z. B. mit Reprostativ) und ggf. einen Fernauslöser und Spiegelvorauslösung benutzen
  6. ein gutes verzeichnungsfreies Objektiv benutzen und dabei schön abblenden
  7. feinfühliges Fokussieren, am besten mittels Frontlinse-Objekt-Abstand (nicht mit dem Fokussierring am Objektiv)
  8. eine Fokussierhilfe (bspw. Sucherlupe, Winkelsucher mit Vergrößerung, LiveView mit Vergößerung) benutzen
  9. den Weißabgleich der Kamera auf Objektbeleuchtung anpassen (Reflexionen an farbigen Flächen beachten)
  10. reflexfreie Beleuchtung überprüfen (bei planen Vorlagen im 45°-Winkel, Prinzip Eintrittswinkel = Austrittswinkel)

Wie es hier gemacht wurde.
Der vorliegende Fall hat vieles leichter gemacht: das Bild war Schwarzweiß und es wurde von einer Seite Tageslicht beleuchtet (siehe 9 und 10, der Reproarbeitsplatz ist direkt am Fenster). Die Vorlage war nach 90+ Jahren im gleichen Rahmen plan (3), dass mit dem Tisch verschraubte Reprostativ mit kurbelbewegtem Kameraschlitten (4, 5 und 7) war beim Fokussieren sehr angenehm. Als Objektiv kam ein 50mm-Makroobjektiv an einer Cropsensor-DSLR mit Kabelauslöser zum Einsatz, zur Fokuskontrolle wurden ein Winkelsucher mit Vergrößerungsfunktion und LiveView eingesetzt (6, 8). Die folgenden Bilder zeigen die nach unten schauende Kamera am Reprostativ.

Ein weiterer Punkt der hier ebenfalls unkritisch war: die Belichtung sollte nach jeder Aufnahme im Histogramm überprüft werden und der ganze Aufbau sollte erst dann abgebaut werden, wenn die Schärfe am Monitor bei 100% geprüft wurde. Tethering kann hierbei helfen, Geld würde ich dafür allerdings nicht investieren. Fotografiert wurde in JPG und RAW (es wurden nur die RAW-Aufnahmen verarbeitet).

Alternativen zum Reprostativ.
Klar, das Reprostativ erlaubt ein sehr komfortables arbeiten, es geht aber auch ohne. Wer für seltene Reproeinsätze sein Dreibeinstativ einsetzen möchte, sollte sich auf jeden Fall eine Libelle (kleine Wasserwaage, hilft auch kleinste Erschütterungen schnell zu Erkennen) für den Zubehörschuh der Kamera besorgen und etwas mehr Zeit zum einstellen des Stativkopfes mitbringen. Kurze Belichtungszeiten sind ratsam, mit Blitzbeleuchtung auch kein Problem.
Doch nicht vergessen: in der eBucht gibt es zeitweilen günstige Reprostative in gut erhaltenem Zustand und aus einem alten Vergrößerer lässt sich mit wenig Mühe ebenfalls eine perfekte Lösung selbst bauen.

In Teil 2 dieser kleinen Serie wird das nun digitalisierte Foto im Raw-Entwickler entsättigt und die Kontraste angehoben. Selbstverständlich mit kostenfreier (Open Source) Software, UFRaw und alternativ RawTherapee. Doch keine Angst, alles lässt sich auch mit anderen Raw-Entwicklern leicht nachmachen.

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