RAID + Unkenntnis = Katastrophe

Klar waren Lenny’s [Name geändert] Daten sicher, schließlich hatte er sie ja auf einem NAS mit RAID-Technik deponiert. Dort lagerten zehntausende Fotos, zahllose Musik- und Arbeitsdaten. Kein Grund anzunehmen das sie dort nicht so sicher waren wie in Fort Knox. Bis der Tag kam an dem er alle Daten verlor.

Es ist schon merkwürdig wie manchmal in unterschiedlichsten Informationskanälen in verschiedenen Stories ein und dasselbe Thema auftauchen. So war bei Adrian Ahlhaus unlängst ein Beitrag zum Thema Datenaufbewahrung zu lesen, eine Weile her lief eine interessante Frage bei Fotografr und ich stolperte diese Woche in einem Kundenforum über eine bewegende Geschichte. In der hier berichteten Geschichte schloß ein Benutzer sein RAID-System an einen speziellen kommerziellen NAS zu betreiben und … lest selbst.

Just bought the XSchmumpf [Name geändert] device yesterday. Plugged it into a small portable drive to test and setup and found it to be easier than I imagined. Annoyed that the drive is always spinning (never goes to sleep) but otherwise impressed.

Ich besitze das Gerät selbst und hatte es zu Testzwecken im Betrieb. Netzwerkstecker rein, Strom anschließen, USB-Festplatte oder -Stick anschließen und schon sind die Daten via Internet erreichbar. Soweit kann ich seine Ergebnisse bestätigen. Die Idee hört sich gut an, dennoch unterliegen viele Kunden von XSchmumpf dem gleichen Denkfehler … aber dazu vielleicht später mal.

Today I connected my 4TB RAID tower (4x2TB drives) and found that XSchmumpf couldn’t make it work. It showed up as a drive on my Mac sidebar but didn’t actually show any files. After disconnecting it from XSchmumpf and plugging it straight into my computer (MacBook Pro via firewire)…no volumes found. I ran the Mac disk utility and it sees the volume but cannot mount it. Tried several other disk utilities but nothing can restore the data.

Beim Lesen dachte ich mir: sehr ärgerlich. Backups auf ein 4*2TB RAID zu restaurieren ist kein Hexenwerk, dauert aber und ist lästig. Ich spreche aus eigener Erfahrung.

This was EVERYTHING I have from the last ten years. EVERYTHING. Tens of thousands of images. Music. Work documents.
And don’t give me any grief about not having a backup. It was a RAID tower…backups are built-in.

Zugegeben, da war ich sprachlos. Nicht wegen des Datenverlusts, sondern wegen dem Hinweis bei RAID seien die Backups eingebaut. Kann man so falsch informiert sein? Eine spontane Umfrage ergab: man kann, leider haben das viele andere auch wie Lenny verstanden.

Was ist ein RAID?
RAID steht heute für “Redundant Array of Independent Disks” (dt. Redundante Anordnung unabhängiger Festplatten). Dabei werden mehrere physische Festplatten zu einem logischen Laufwerk zusammengefasst. Da die Daten über die physischen Datenträger verteilt werden wird – je nach RAID-Level bzw. -Kombination – der Datendurchsatz höher (schöner Nebeneffekt) und/oder die Datenverfügbarkeit bei Ausfall einer physischen Platte ist gegeben.
Natürlich gibt es auch Produkte wie die von Drobo und von anderen Computer- wie NAS-Herstellern, die Redundanz mit etwas anderer Technik versprechen. Gleich wie verschieden diese von RAID sind, sie haben die Kopie / den redundanten Datenbestand physisch oft im gleichen Gehäuse und alle Datenträger hängen meist im gleichen Stromkreis.

Was ist ein Backup?
Daten werden auf einen anderen Datenträger kopiert, anschließend liegen die Daten eben zweifach (oder eben mehrfach) vor. Es wird mit der Sicherungskopie nicht weitergearbeitet, sie beherbergt also einen eingefrorenen Zustand. Erwähnenswert: beim off-site Backup wird der Sicherungsdatenträger räumlich getrennt vom Original aufbewahrt.

Warum ein RAID kein Backup ist.
Da in beiden Fällen – sowohl beim RAID als auch beim Backup – die Daten doppelt (oder eben mehrfach) vorliegen erscheint erstmal beides gleich. Doch es gibt große Unterschiede (sehr anschaulich ist dies im Blog von Priotecs zusammengefasst):

  • eine Datei zu löschen wirkt sich beim (nicht zusätzlich abgesicherten) RAID umfassend und sofort aus,
    beim Backup ist die gelöschte Datei oft noch in der Sicherungskopie vorhanden,
  • bei Schäden am RAID-Controller können die Daten nicht immer an einem anderen Controller gerettet werden,
  • Feuer- und Wasserschäden, Erdbeben, Diebstahl, Blitzschlag oder Diebstahl bedrohen beim RAID die gesamten Daten,
    mittels eines intakten und halbwegs aktuellen off-site Backups lassen sich die Daten dann noch immer retten.

Fazit.

Jeder Benutzer digitaler Technologie sollte sich mindestens eine Frage stellen: “Was passiert eigentlich wenn alle meine Daten weg sind?”. Die Beratung durch einen Fachmann ist eine gute Idee und wird von mir ausdrücklich empfohlen. Dabei bitte auch Fragen besprechen wie: “Was passiert wenn mein Haus abbrennt oder beim Hochwasser überschwemmt wird?”, “Kann ein Blitzschlag der Lösung nicht schaden?” und “Wenn bei mir eingebrochen wird und das Gerät wird geklaut … was passiert dann?”.

Auf lange Frist gilt: Daten lange behalten wird nur derjenige, der sich auch regelmäßig darum kümmert. Unwissenheit, falsches Wissen, Schludrigkeit, übermäßiges Gottvertrauen und/oder Ignoranz sind sichere Zutaten für eine herannahende Datenkatastrophe. Soll mir Lenny nun wirklich leid tun?

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