License grabbing für Fotos ala Google: Google+

Viele Fotowettbewerbe tun es, Adobe tat es, manch Fotocommunities haben es auch schon versucht und (die Verwunderung hält sich in Grenzen) Google probiert’s jetzt wohl auch mal.

License Grabbing. Ein altes und bekanntes Spiel: ein Fotograf lädt eigene Bilder auf eine Webseite hoch und hat über die – oft stillschweigende – Akzeptanz der Nutzungsbedingungen (engl. Terms of Service, kurz TOS), dem Betreiber der Webseite oder des Services automatisch weitgehende Nutzungsrechte eingeräumt.
Wasserzeichen und Lizenzbedingungen des Urhebers mit anderslautenden Bedingungen werden dadurch bedeutungslos.

So berichten der Shutters Inc. Podcast in Ausgabe 181 und Scott Bourne in seinem Blog PhotoFocus.com übereinstimmend über die Lizenzen für die Bildnutzung, die Fotos-uploadende Benutzer der jüngsten Social Community Google+ dem Betreiber damit automatisch übertragen.

Google+ TOS*:
“By submitting, posting or displaying the content you give Google a perpetual, irrevocable, worldwide, royalty-free, and non-exclusive license to reproduce, adapt, modify, translate, publish, publicly perform, publicly display and distribute any Content which you submit, post or display on or through, the Services.”

“You agree that this license includes a right for Google to make such Content available to other companies, organizations or individuals with whom Google has relationships for the provision of syndicated services, and to use such Content in connection with the provision of those services.”

“You understand that Google, in performing the required technical steps to provide the Services to our users, may (a) transmit or distribute your Content over various public networks and in various media; and (b) make such changes to your Content as are necessary to conform and adapt that Content to the technical requirements of connecting networks, devices, services or media. You agree that this license shall permit Google to take these actions.”

* Zitiert von Shutters Inc. Podcast, siehe Link oben. In den “normalen” Nutzungsbedingungen von Google tauchen diese Bedingungen so nicht auf. Für Picasa habe ich das allerdings nicht überprüft.

Nein, wirklich überraschend ist das nicht. Für Fotografen die selbst darüber entscheiden wollen wem sie welche Nutzungsrechte an Bildmaterial einräumen ist es dennoch ärgerlich, schließlich bietet Google+ doch eine überlegenswerte Alternative zur Fotocommunity flickr.com, wo der Servicebetreiber stellenweise einen ruppigen Umgang mit seinen Nutzern pflegt. Schade, wo doch Google+ Nutzer wie Thomas Hawk (hier und dort) voll des Lobes über das Foto Sharing des neuen Services sind. Schade auch deswegen, weil ich mir Google+ bei nächster sich bietender Gelegenheit genau deswegen anschauen wollte.
Also, liebe Fotografen, vor dem einstellen eigener Fotos bei Google+ besser darüber nachdenken ob Ihr mit diesen TOS leben wollt.

Jonny B (1 comments)Sonntag, 10. Juli 2011 - 13:54:04

Die TOS/AGB für Picasa sind momentan witzigerweise offline (404). https://plus.google.com/u/0/103195661122284369784/posts/Wwk5434CGU8

towo (1 comments)Sonntag, 10. Juli 2011 - 15:43:37

Das Problem ist, daß man nach US-Rechtssprechung halt dies Rechte _braucht_, um überhaupt Bilder wiedergeben zu dürfen.

Vor allem das “syndicated services” ist auch ein großer Hinweis darauf, daß es darum geht, daß man den Plus-Inhalt auch Leuten zur Verfügung stellen darf, die eine eventuelle API benutzen. Ansonsten könntest Du keinen mobilen Client von einem Fremdentwickler haben oder sowas.

Uwe (1 comments)Sonntag, 10. Juli 2011 - 17:44:10

@towo: Mmmh, zwar enthält der dritte Absatz etwas Weichspüler (was Deine Meinung stützt), aber im Ganzen erscheinen mir die Formulierungen etwas zu weitgehend. Natürlich braucht Google das Recht die Daten ‘handhaben’ zu können, alleine schon um den Service zu betreiben.
Nun lesen sich aber selbst bei Flickr die TOS geringfügig kundenfreundlicher. http://info.yahoo.com/legal/de/yahoo/tos.html

Möglicherweise sind aber auch nur die Google-Juristen mit der Formulierung etwas ‘über Bord’ gegangen, ohne vorher das Marketing zu konsultieren. Ähnliches ist ja kürzlich bei Dropbox auch passiert. http://lifehacker.com/5819430/should-i-be-worried-about-the-change-to-dropboxs-terms-of-service

Sven (1 comments)Mittwoch, 13. Juli 2011 - 07:41:44

Das große Problem ist ja, dass weder unsere, noch andere Regierungen endlich einmal eine allgemeingültige Lösung im Bereich des Copyright hervorgebracht haben.

Es sollte ja wahrlich nicht das Problem sein einen Ansatz zu finden. Egal was dabei herauskommt – besser als “ab dem upload gehören die Rechte dem Portalbetreiber” ist es wohl allemal.

Derzeit bleibt einem ja fast nur die Lösung Bilder in reduzierter Auflösung aufzuspielen, damit zumindestens eine kommerzielle Nutzung etwas unterbunden wird.

Sarkastisch angemerkt könnte man jedoch auch davon ausgehen, dass es hinsichtlich dem Schutz geistigen Eigentums schwer ist eine Lösung zu finden, wenn die dafür verantwortlichen sich an der Thematik mittels Doktorarbeiten schon durch herausragende Kompetenz unter Beweis gestellt haben.

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