Fotowettbewerb? So nicht!

Ein bekannter Hersteller von Schusters Rappen schreibt einen Fotowettbewerb aus. Die beauftragte PR-Agentur bettelt bei einschlägigen Bloggern darum auf den Wettbewerb aufmerksam zu machen. Wie üblich ohne Gegenleistung – was soll’s.
Der Blick in die Teilnahmebedingungen lässt mich aber schlucken.

6. Der Teilnehmer überträgt Schmumpf* mit dem Upload eines Fotos das nicht-ausschließliche, zeitlich und örtlich unbegrenzte Nutzungsrecht für sämtliche Nutzungsarten, darunter die bekannten Nutzungsarten wie Vervielfältigungen als Druck oder auf Bild-/Tonträgern, die öffentliche Zugänglichmachung, die öffentliche Vorführung und die Sendung, das Ausstellungsrecht sowie die noch unbekannten, zukünftig bekannt werdenden Nutzungsarten. Eingeschlossen ist das für die Nutzung erforderliche Bearbeitungsrecht.
Das Foto darf mit Werken Dritter zusammen genutzt (vervielfältigt, gesendet, zugänglich gemacht) werden, auch als Zusammenschnitt zum Beispiel für ein Video oder eine Animation. Schmumpf* darf das Foto insbesondere werblich nutzen.

Schmumpf* – Name wurde aus Rücksicht geändert.
Doch, von Bildagenturen her kenne ich das auch so. Aber war das hier nicht ein Fotowettbewerb?

8. Der Teilnehmer muss die von ihm hochgeladenen Fotos selbst erstellt haben.
Mit dem Hochladen eines Fotos bestätigt der Teilnehmer, dass Rechte Dritter (insbesondere Urheberrechte, Leistungsschutzrechte, Recht am eigenen Bild, Markenrechte) nicht verletzt sind. Der Teilnehmer stellt Schmumpf* von allen Ansprüchen Dritter wegen Rechtsverletzungen einschließlich der Kosten der notwendigen Rechtsverfolgung frei.
Schmumpf* unterrichtet den Teilnehmer im Falle einer etwaigen Inanspruchnahme. Der Teilnehmer unterrichtet Schmumpf*, falls ihm nach Ablieferung bekannt wird, dass sich Dritte Rechte an Werken geltend machen. Die hier geregelten Verpflichtungen gelten ausdrücklich auch nach dem Ende des Wettbewerbs fort.

Auch das Bedingungen, wie sie bei Stock- und Microstockagenturen üblich sind. Klar, denn der Bildkäufer soll ja vor Schaden bewahrt werden. Deswegen dann auch der Aufwand mit Model Releases und Property Releases.

Die Dame von der PR-Agentur, nachdem darauf hingewiesen, verweist auf Abschnitt 7:

7. Im  Zusammenhang mit der Durchführung des Gewinnspiels gilt: Die Einräumung der  Nutzungsrechte erfolgt vergütungsfrei. Dies gilt für die Präsentation auf der  Website, für Werbematerial zum Gewinnspiel, die Präsentation zum Beispiel in  Filialen oder den Abdruck von Fotos im Rahmen der Presseberichterstattung und  zwar auch nach Abschluss des Gewinnspiels. Von der vergütungsfreien  Rechteeinräumung unberührt bleibt die Pflicht von Schmumpf* zur Leistung der Prämie  an diejenigen Teilnehmer, deren Fotos einen Gewinn erzielt haben.

Das wird dann auch fleißig kommentiert mit:

  • “… Ihre Rechte als Fotograf stärkt und berücksichtigt.”
  • “… Recht für die Nutzung seines Bildes im Rahmen der
    Kampagne einräumt …”
  • “… schließt auch die spätere Nutzung z.B. für Digital
    Signage im Web etc. ein …”
  • “… Nicht eingeschlossen wäre z.B. die Verwendung eines
    Bildes für eine Aktion zum Sommerschlussverkauf …”
    .

Nein, so recht ernst genommen oder gar verstanden fühle ich mich beim Lesen nicht. Will da vielleicht jemand hauptsächlich Kosten für Bildagenturen und Lizenzierung von Fotomaterial vermeiden? Wie siehst Du diesen Fall?

Reiner (1 comments)Sonntag, 28. Februar 2010 - 13:51:14

Hier wird mal wieder versucht an kostenlose Fotos für die eigene Werbung zu kommen. Viele Hobbyknipser ist es meist egal. Hauptsache das Bild ist überall zu sehen. Das sie als Teilnehmer total verar…. werden, merken die wenigsten.

Gruß
Reiner

Roland (1 comments)Sonntag, 28. Februar 2010 - 17:27:20

Hi,

Ohne jetzt alle Details & Hintergrundinfos zu dem Wettbewerb zu haben.
Und ohne Anspruch darauf, daß meine Bilder es Wert wären ;o)
Deine Auszüge aus den Teilnahmebedingungen wären ein glattes “AUS” für eine Teilnahme an dem Wettbewerb – auch für mich als “Hobbyfotograf”.

Ich für meinen Teil finde es zwar immer wieder toll die Möglichkeit zu haben, ein Bild irgendwo platzieren zu dürfen – dies ist auch ohne Geldfluss für eine bestimmte Sache/Projekt völlig OK (weil ich ja nicht davon Leben muss), doch es kann nicht angehen, das ein Schmumpf* für ein Butterbrot versucht an so viele Bilder zu kommen wie Möglich um diese komplett zu vermarkten (ein paar tolle Bilder sind ja sicher immer dabei).
Wer weiß auf welche Ideen die kommen, wofür man (d)ein Bild verwednen kann?

Es hört sich ziemlich Einseitig an für mich … ?

Uwe (1 comments)Sonntag, 28. Februar 2010 - 18:22:49

@ Roland: viele die über Copyright und Lizenzierung ein bisschen nachgedacht haben werden es genauso sehen wie Du und ich. Als Hobbyfotografen können wir durch die Teilnahme lernen und das Interesse des Veranstalters die eingereichten Fotos in einem vertretbaren Rahmen zu nutzen ist ebenso legitim.

Hier ist aber IMO die erforderliche Balance zwischen den Interessen des Copyright-Owner und des Veranstalters nicht mehr gewahrt. Wenn auch nur durch eine vielleicht zu forsche PR-Agentur. Der Firma Schmumpf* will ich keine unlauteren Absichten unterstellen.

Roland (1 comments)Sonntag, 28. Februar 2010 - 21:16:29

@Uwe,

Ich gebe dir Recht …
Und nein – ich will hier auch niemanden etwas unterstellen – ich kenn ja auch nicht alle Fakten. Dies ist lediglich meine persönliche Meinung dieser Momentaufnahme, daß der Punkt 6 & 7 in dem Auszug für mich persönlich die Teilnahme die Teilnahme uninteressant machen würden. Aber es ist ja jedem selber überlassen.
Kann ja jeder Lesen ;o)

Ich finde es toll wenn ein Bild von mir gefällt und es gezeigt wird. Ich gebe die Bilder auch gerne kostenfrei weiter – wenn ich weiß wofür es verwendet wird. Ich verdiene nichts an der Weitergabe, sondern fühle mich geschmeichelt. Das im Zuge des Gewinnspieles Bilder verwendet werden ist klar – aber eben nur in der Zeit & im Zusammenhang mit dem Gewinnspiel – jedoch bleiben bei den meisten die Rechte beim Einsender der Bildes … wie es sich gehört. Wen jemand Geld damit machen will sollte die andere Seite nicht übervorteilt werden.

Ich bin auch ein kleiner Anhänger von creativ commons (CC), aber eben das gleiche Recht für beide Seiten. Mein Name drunter und eben kein Geld für beide Seiten. Für alles andere gibts Verträge auch für beide Seiten … ;o)

Rainer (1 comments)Sonntag, 28. Februar 2010 - 23:06:39

Hallo,
der größte Beschiss bei dem Fotowettbewerb ist die Bewertungsmethode, da man so oft man will (oder besser Zeit hat) abstimmen kann. Also was soll der Scheiss, denn mit User Voting hat das nichts zu tun. Ein Blick auf die ersten 4 Plätze (alle vom selben Bildautor) zeigt, dass es eher darum geht, wie man das “simple” System austrickst, als dass eine auch nur halbwegs ehrliche User-Meinung zum Ergebnis beiträgt.

Also eine Verarschung der Teilnehmer, die aber naiv und kostenlos ihre Bilder anbieten. Die Firma Görtz wird bei den Teilnehmern nicht unbedingt an Reputation gewinnen oder in irgendeiner Weise einen positiven Eindruck hinterlassen.

Geschieht Ihnen Recht, und nächstes Mal sollten Sie einen anderen Organisatort/Veranstalter des “Fotowettbewerbs” auswählen. Besser noch wäre, wenn Sie so etwas in Zukunft ganz lassen würden. Es gibt auch Schuhe von andern Firmen.

Rainer (1 comments)Mittwoch, 03. März 2010 - 21:54:46

Hallo,

die Wettbewerbsveranstalter haben sich meine Kritik zu Herzen genommen und anscheinend versucht die Bewertungsmethoden zu verbessern und fairer zu gestalten. Auf den ersten Blick scheint es zumindest deutlich besser zu sein, das finde ich gut.

Wer kritisiert, sollte auch loben können. Ich finde es gut, dass der Veranstalter versucht, die berechtigte und auch akzeptierte Kritik aufzunehmen, und durch Verbesserung des Bewertungssystems einen fairen Wettbewerb zu gestalten. Ein perfektes Bewertungssystem gibt es wohl nicht, aber das neue System erscheint deutlich fairer und gibt jedem Teilnehmer auch eine Chance.

Ihre Emailadresse wird nie veröffentlicht oder weitergegeben. Notwendige Felder *

*

*