… things for what Else they are.

Oder: wie die digitale Fotografie Millionen abstrakte Kunst praktizieren läßt und wie dennoch viele glauben ein Foto müsse noch immer ein objektives Beweismittel sein.

“When I looked at things for what they Are, I was fool enough to persist in my folly and found that each photograph was a mirror of my Self. So I turned 180 degrees and looked the opposite way at things for what Else they are.”
Minor Martin White, amerikanischer Fotograf.

Der sich mit Fotografie beschäftigende Blogger auf der Suche nach Page Impressions und Kommentaren landet mit einem Blogpost zu diesem Themenkreis eigentlich immer einen Treffer (Beispiele hier und da, da natürlich auch, gleich nochmal, dort gleich zweimal, dort ebenso; dieser Artikel genauso).
Wird das nicht langweilig, läuft sich das nicht irgendwann tot?

Tut es nicht. Denn die beiden unversöhnlichen Gruppen die hier aufeinander treffen sind älter als die Fotografie. Die Einen erwarten das das Medium die Realität abbilden solle und die Anderen sehen in ihm die Möglichkeit zu visualisieren was sie sich ausgedacht haben. Da beide Gruppen kontinuierlich neue Mitglieder rekrutieren wird die Diskussion nie aufhören.

Die Altmeister waren da schon um vieles weiter. Die Auseinandersetzung mit dem Medium und das Experiment hat sie ihre Meinung verändern lassen, teilweise auch mehrfach.
So wird sich dieses Karussell ewig drehen, denn (neue) Menschen machen genau so ihre Erfahrungen: durch Vorurteil, Neugier, ausprobieren und die Reflektion ob’s (ihnen) gefällt oder nicht und Meinungsänderung.

Es bleibt die Gretchenfrage für Fotografen: “Nun sag, wie hast du’s mit der Bildbearbeitung? Du bist ein herzlich guter Mann, allein ich glaub, du hältst zuviel davon.”
Die Antwort ist der von Dr. Faust ähnlich (und ebenso polymorph) und wird den Leser genauso verwirren wie damals Gretchen.

  • Fotoreporter die Rauchwolken ins Bild photoshoppen oder ein Sportler vor Gericht, dessen dunkle Hautfarbe ja nach Zielrichtung der Publikation rot eingefärbt oder nachgedunkelt wird?
    Nein Danke, das ist daneben.
  • Ist in der Nachbearbeitung nur erlaubt, was auch in-camera geht?
    Das hat schon Ikone Ansel Adams anders gesehen.
  • Eine Dokumentation bei der man (der Wahrheitsliebe wegen) Bilder nicht zuschneiden oder das Histogramm nicht anpassen darf?
    Ist mir zu extrem.
  • Künstlerische Fotos die immer noch realistisch aussehen sollen, noch immer noch die Realität abbilden sollen? Unsinn.
  • Zurück zum Titel, Dinge fotografieren “… for what else they are”? Ein Bild aus seinem Kontext herauslösen und einem neuen Kontext zuordnen? Klar, warum auch nicht. Nur so wird die Fotografie zur Spielwiese für die eigene Fotografie

Form follows Function gilt für mich auch hier, die Bildbearbeitung sollte dem Zweck angemessen sein. Weder der Zweck noch die Perspektive des Betrachters sind immer gleich und Konstante sind sie genauso wenig.
Nur das man das eine nicht für das andere verkauft (oder den Betrachter für dumm), das erwarte ich schon.

Zumindest sehe ich es heute so.

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