Foto-Echo: der Unglücksrabe (2000)

In der Artikelserie ‘Foto-Echo‘ greife ich mir ein Foto aus meinem Archiv und denke darüber nach wie sich meine Fotografie im Lauf der Zeit entwickelt und was mir bei der Fotografie wichtig ist.

Es ist Samstag der 24. Juni 2000, ein bewölkter aber trockener Sommertag, warm aber nicht heiß, mit ein bißchen Wind. Mit Freunden bin ich zum ersten mal zu Gast bei einem Flugtag - ‘Hahn in Motion’ (Flughafen Hahn).

Für einen Technikfan wie mich gibt es hier eine ganze Menge zu sehen, die Kamera ist dabei und ich habe einfach eine gute Zeit. Dabei sind Flugzeuge aller Zeitalter und Größen. Vom Fieseler Storch bis zur B747, Militärmaschinen wie Zivilflugzeuge.
Aber ein Schmankerl stiehlt all den Flugmaschinen die Schau. Ein Dinosaurier, in den ausklingenden 60ern entworfen, überwiegend in den Siebzigern gebaut, aber im 21sten Jahrhundert fliegen sie noch immer.

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Eine Concorde, mit der Kennung F-BTSC. Kein riesiges Flugzeug aber lustig schaut sie aus, auf ihren Stelzen. Die futuristische Rumpfform, die Deltaflügel, die ungewöhnlich eckigen Triebwerksöffnungen. Ohrenbetäubender Lärm den man dem Halbpfünder kaum zugetraut hätte. Eine Schönheit ist sie nicht für viele, ein Hingucker ist sie für alle. Im dritten Jahrzehnt.
Die Kamera drauf und ein paar Bilder ergattert. f8 und da gewesen.

Wow! Gutes Wetter, viel Interessantes zu sehen und zu fotografieren, atemberaubende Manöver und dann auch noch ein solches Erlebnis. Ich habe tatsächlich eine Concorde auf Film!

Was für ein Tag, dieser Samstag im Jahre 2000.

Es sind noch 31 Tage, bis aus der gesehenen Maschine Die Concorde’ werden wird. Jene, die als Flug AF4590 vom Flughafen Paris nach New York aufbrechen und deren Flug bald darauf tragisch enden wird. In 31 Tagen.

Das Foto hat (IMO) keinerlei künstlerische Ambitionen, ist nicht schön und der Erinnerungswert ist nur für diejenigen vorhanden, die dabei waren. Für die ist die Erinnerung dann aber recht intensiv - ein Total Recall. Auch das waren Fotos nämlich von Anfang an, eine Verbindung zur Vergangenheit.
Meine Ziele haben sich gewandelt. Heute versuche ich meine Fotos so zu gestalten, daß meine Empfindung beim auslösen sich auch auf den Betrachter übertragen kann der nicht dabei war. Trotzdem freuen sich meine Freunde und Familie auch über die reinen ‘Beweisfotos’. Es muß nicht immer Kunst sein, was Menschen bewegt.

Woran oder an wen willst Du Dich in zehn, zwanzig oder fünfzig Jahren erinnern? Was es auch sei und wie gut Du im Umgang mit einer Kamera auch bist: mach ein Foto davon. Tu es bald, nicht irgendwann. Und sorge dafür das dieses Foto auch in Zukunft noch da sein wird.

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