Support your local camera store …

Vor diesem Spruch gibt es wirklich kein Entrinnen. Im Gespräch mit Freunden, beim Lesen von Blogs, beim Hören von Podcasts - alle erklären mir warum es wichtig ist nicht immer alles beim Discounter oder im Versandhandel zu bestellen.
Der stete Tropfen höhlt den Stein und so versuche ich es immer wieder mal, zuletzt am vergangenen Samstag. Wider meine Überzeugung und leidvolle Erfahrung.

Als Ersatz für ein Polaroidback und einen Belichtungsmesser muss eine kleine DSLR her, die zum schon vorhandenen Glas passt. Also stürze ich mich in meiner Heimatstadt W. in ein Fotofachgeschäft.

Ich: “Was kostet denn die xxxx, body only?”
Er: “Mit Kit-Objektiv 589,- Euro.”
Ich: “Und body only?”
Er: “Aha, Sie verwenden die wohl als Lochkamera. Moment … das macht dann 569,- Euro.”
Ich: “Naja, verglichen mit den Preisen anderswo und der Tatsache das dieses Modell sich nicht so toll verkauft, noch dazu einen Monat vor der Photokina … Wie wär’s mit 500,- Euro?” (der Preis im Versandhandel schien mir eine gute Ausgangsbasis zum Feilschen)
Er: “Moment mal …” spricht er und beginnt zu telefonieren.
“Nee, da kann ich gar nichts machen. Aber die yyyy kann ich Ihnen ohne Objektiv für 499,- geben.”
Ich: “Also gar kein Entgegenkommen? Kein bißchen?”
Er schüttelt den Kopf. “Aber von zzzz gibt es ein Modell, dass …”
Ich: “Danke nein, aber Danke für Ihre Hilfe.”

Kein Entgegenkommen also, schade. Wenigstens hat der Verkäufer mir dieses Mal nicht erzählt was gerade ‘gut läuft’, mir auch keine Dinge erklärt die ich nicht wissen will oder bei Fragen zu denen er die Antwort nicht kennt Nonsens erzählt.
Oh, meine Filme hat man mir bei diesem Besuch auch nicht verknittert oder verkratzt, keine Vergrößerungen im Posterformat verhunzt und dafür auch nicht das Original-Dia verschlampt. Das waren nämlich in der Vergangenheit die Gründe weswegen ich nicht mehr hinging.
Bei einem zweiten Händler hatte sich ein amerikanischer Herr vor mir für die gleiche Kamera interessiert. Am Ende des Feilschens standen bei ihm 599,- Euro für die gleiche Kamera mit Kitobjektiv. Wirklich ‘krass’ war allerdings die realitätsferne Kaufberatung. Als der Herr dann signalisierte das er die Kamera kauft, glaubte ich selbst im Gesicht des Verkäufers Erstaunen zu erkennen.

Was jetzt, geht’s dem Typ um ’Geiz ist geil’? Oh nein weit gefehlt. Nur sehe ich für die Preisaufschläge im Einzelhandel (m.M. so um die 10 bis 20 Prozent, bei Kleinteilen gerne auch mehr) leider keine angemessene Gegenleistung mehr. Schlecht geschulte Verkäufer, Schallplatte abspielen statt Kundenorientierung, ein Dienstleistungsportfolio das zwar vollständig erscheint, aber alles was über den ‘Standard’ hinausgeht bereitet oft große Probleme. Und dafür soll ich mehr Geld berappen?

OK, ist ja alles kein Drama. Dann wird das Teil halt über den Versandhandel bestellt. Wie auch das meiste Verbrauchsmaterial. Seitdem ein anderer lokaler Fotohändler für eine Filmentwicklung 6,50 Euro abkassiert hat (zwei Wochen vorher noch 4,50, zwei Monate vorher 3,00 Euro) gehen die Filme zur Entwicklung ins Fachlabor.
Prints kommen aus dem Fotodrucker, Übergrößen, Fotobücher, etc. werden über’s Internet abgewickelt - zu meiner vollen Zufriedenheit (nun ja, meistens). Bilderrahmen und Passepartouts kaufe ich immer noch bei lokalen Händlern.

Ja, traurig finde ich das auch. Vor allem weil ich weiß das es besser geht. So habe ich im Ausland (Singapore, Sydney, Miami) sehr professionelle Läden erlebt, in denen ich gut beraten und zufriedenstellend bedient wurde.
Das geht sogar in Deutschland. In der Stadt K. in der ich arbeite und unter der Woche wohne, da gibt es das auch. Da kann ich in Ruhe hingehen, vernünftige Ausrüstung ausprobieren, bekomme auch exotischere Filme ohne das man mir an der Kasse erzählt “Sie wissen das das Diafilme sind?”. Da zahle ich dann an der Kasse schon mal 10 bis 20 Prozent mehr als im Versandhandel, fühle mich aber trotzdem gut dabei.

Also, liebe Fotohändler: jammert mir bitte nicht die Ohren voll, das die Versender den Einzelhandel kaputt machen und der Zeitgeist Eure Existenz gefährdet. Denkt vielleicht mal über Eure positiven Alleinstellungsmerkmale nach und baut Eure Stärken aus.
Dann bin auch ich wieder öfter Euer Kunde, versprochen.

Was sind Eure Erfahrungen mit Euren lokalen Fotohändlern? Ist er für Euch ein wertvoller Partner oder eher ein Ärgernis? Stimm doch mit ab und / oder hinterlasse einen Kommentar.

Eure Erfahrungen mit dem lokalen Fotohändler

  • Er ist (fast) immer meine erste Anlaufstelle. (8%, 1 Votes)
  • Informiere mich dort gerne, kaufe aber eher anderswo. (0%, 0 Votes)
  • Dort kaufe ich eher wertige Ausrüstung. (8%, 1 Votes)
  • Dort kaufe ich eher Kleinkram. (8%, 1 Votes)
  • Dort kaufe ich nur wenn's kurzfristig sein muss. (46%, 6 Votes)
  • Ich vermeide dort zu kaufen. (31%, 4 Votes)

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6 Antworten zu “Support your local camera store …”

  1. ds sagt:

    Habe die Erfahrung gemacht, dass die Geiz-ist-geil-Läden meistens teurer als die Fachhändler sind, von Sonderangeboten mal abgesehen. Und meistens habe ich - bewaffnet mit Internetpreisen - dann beim Händler den Preis auch noch in akzeptable Regionen bekommen. Bin durchaus bereit, für sofort-anfassen-und-mitnehmen und im-Falle-eines-Falles-nicht-nur-Hotline auch was zu bezahlen.
    Und zur Beratung: wenn ich im Laden stehe, weiß ich dank Internet zu 80%, was ich haben will.

  2. aiiiia sagt:

    bei neugeräten vermeide ich die einzelhändler inzwischen auch.
    ausschlagend dafür ist hauptsächlich, dass ich mit meiner “einsteiger-dslr” dort meistens als mensch zweiter klasse behandelt werde - auch, wenn ich vorhabe, relativ teures equipment zu kaufen.

    die gebrauchthändler sind meistens wesentlich zuvorkommender und haben ahnung von der materie. außerdem suchen die auch gerne nach exoten und sind beim preis flexibler.

  3. Uwe Mayer sagt:

    @ds: Stimmt, in den ‘Geiz-ist-geil’-Läden komme ich bei Fotozeugs nur seltenst zum Zug - war aber auch nie anders. Beim Fotohändler um die Ecke zu handeln (nebenan bekomme ich’s 30 Euro billiger) habe ich schon gemacht - mit und ohne Erfolg.

    @aiiiia: In meiner Stadt W. sind mittlerweile alle Gebrauchthändler ‘weggestorben’, Deine Erfahrung kann ich aber ‘von früher’ bestätigen.
    Das jemand der mir preisgünstiges oder Consumer-Equipment verkauft auf mich ‘von oben herab’ schaut, dafür habe ich kein Verständnis. So ganz nebenbei lasse ich jedes Jahr ca. 800,- Euro für Filme und Laborarbeiten bei meinem Fotohändler. Von diversem ‘Beifang’ ganz abgesehen.

  4. Olli sagt:

    Hier in N. gibt es auf dem ersten Blick ein paar sehr gute Fotofachgeschäfte. Einmal habe ich mich für einen Batteriegriff für meine EOS 400D interessiert, aber dankend abgewunken, da 60 Euro(!!) teurer als im Versandhandel. Ein zweitesmal habe ich mir gedacht, gut, gebe ich dem Laden noch eine zweite Chance, wollte zu meiner Kamera die Canon Fernbedienung kaufen, hatten Sie nicht auf Lager, wird bestellt… 9 Wochen später erhielt ich einen Anruf, meine Fernbedienung sei nun da… natürlich hatte ich in der Zwischenzeit eine über den Versandhandel bezogen.

    Seitdem meide ich Fachgeschäft.

  5. Sweti sagt:

    Aber zur Thema. Ich habe mich nie beim kauf von eine Kamera beraten lassen, auch früher beim kauf meine F’s, FM’s und FE’s nicht. Ich konnte schon damals lesen und die Fachpresse war schon damals voll mit Kaufberatungen. Allerdings gab früher kein Internet… Kurz gesagt ich bin notorischer Internetkäufer und habe seit Jahren keinen Foto-Laden betreten. Mit eine Ausnahme… Meine Filme werden nur bei FOTOKABINETT im Dresden (ja, das ist Werbung und nein, ich bin kein Mitarbeiter der Firma) entwickelt. Da gehe ich hin und da sage ich meine Wünsche und keiner fragt mich da was Push und Pul und N+2 ist. Die kennen mich ja :)
    Ja, Einzelhandel, die „positiven Alleinstellungsmerkmale“ sind es.

  6. Matthias sagt:

    Abzüge lasse ich noch beim einem Fachgeschäft in meiner Stadt machen. Dort bin ich relativ zufrieden. Meine aktuelle Kamera und sämtliche Objektive habe beim Versandhandel im Internet bezogen. Sonstige Kleinteile habe ich nur beim Einzelhandel gekauft, wenn ich diese dringend benötigte. Mit Beratungen beim Einzelhandel habe ich teilweise schlechte Erfahrungen gemacht, aber für was gibt es das Internet, wo ich sämtliche Infos finde, die ich benötige? Wobei ich sagen muss, dass es von Laden zu Laden unterschiedlich ist. Es gibt einige Verkäufer, die wirklich keine Ahnung haben und es gibt auch welche, die mir wirklich weitergeholfen haben. Das Stativ zum Beispiel habe ich im Fachgeschäft gekauft, weil ich dort wunderbar ausprobieren konnte und auch ausnahmsweise mal gut beraten wurde.
    Verallgemeinern kann man diese Problematik nicht. Aber dass die Fachgeschäfte zum großen Teil Probleme im Umgang mit Kunden haben, läßt sich nicht abstreiten.

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