Bodypaintings outdoors (6): Umgang mit Modellen

[Mein persönlicher Erfahrungsbericht über das Fotografieren beim World Bodypainting Festival 2007 in Seeboden, Österreich.]

Das Modells auch Menschen sind sollte selbstverständlich sein. Wenn man manchem Fotografen zuschaut / zuhört erlebt man aber leider oft anderes. Ganz besonders in Seeboden, wenn ein Modell auf einer der Bühnen steht und dutzende (unerfahrene) Fotografen das Bild haben wollen.

2007-059-0027-edit01-webgal.jpgDa sind dann auf einmal die Gestaltungsmöglichkeiten und die Zeit viel knapper als bei einem normalen ‘Model Shoot’ und entsprechend ruppig der Umgang mancher Fotografen mit den Modellen.
Das folgende habe ich aus der Beobachtung guter und schlechter Beispiele und aus eigener Erfahrung gelernt und mir beim Fotografieren beim WBF angewöhnt.

Gewöhnung. Man schlendert den ganzen Tag über’s Festivalgelände und schleppt dabei eine Tonne Ausrüstung mit sich rum und jeder bekommts mit. Aber Stopp, erstmal schauen, keine Hektik verbreiten und den Fotografierten die Möglichkeit geben sich an den Fotografen zu gewöhnen.

Blickkontakt. Ich ziehe es vor Menschen mit gemäßigter Telebrennweite zu fotografieren und bin damit selbst im Blickfeld des Modells. Gut so. Schau ruhig mal in die Augen Deines Modells und finde heraus ob es gerade der richtige Zeitpunkts ist.
Bist Du dem Fotografierten nicht sympatisch oder es ist einfach der falsche Moment, dann ist die Wahrscheinlichkeit das Dein Motiv ein gar nicht so fotogenes Gesicht macht durchaus groß.

Freundlich sein und Lächeln. Du bist einer von dutzenden Fotografen die einem Mensch mit ihren Kameras auf die Pelle rücken. Die Modells posen für Dich und sind meist sehr geduldig.
Dir bricht kein Zacken aus der Krone, wenn Du nach dem Foto mal freundlich lächelst und / oder mal ein “Danke” sagst.

Zurückhaltung, meine Herren! Ein Modell steht bei einer solchen Veranstaltung vier bis sechs Stunden beim Painter, darf dabei nicht schwitzen, nur mit Strohhalm trinken, am besten nichts anfassen und muss teilweise sogar gefüttert werden. Irgendwann bringt dann die Airbrushdüse oder der Pinsel Farbe an Stellen, wo es auch einem erfahrenen Modell manchmal unangenehm ist.
Es gibt auch mal Zeiten, da fotografiert man dann eben nicht. Wer Schwierigkeiten hat solche Zeiten zu erkennen schaut am besten mal unter Taktgefühl in der Wikipedia nach.

Anweisungen geben. Gerade weniger erfahrene Modells sind oft sehr dankbar für Anweisungen zum Posing. Das muss auch mancher Fotograf erst lernen und dann bitte auch etwas auf den Ton achten.
Wenn allerdings 10 Fotografen gleichzeitig Anweisungen geben und diese dann meist widersprüchlich sind, dann kann man auch mal die Klappe halten.

Sei bereit. Es ist einfach nur Pech, wenn Du eine gute Gelegenheit verpasst. Ein noch so gut trainiertes Modell kann eine Pose nicht beliebig lange halten ohne das es unnatürlich wirkt oder das Modell anfängt zu zittern. Lass nicht das Modell büßen wenn Du aus Unerfahrenheit mehr mit Deiner Technik zu tun hast, als mit dem eigentlichen Fotografieren.

Fotograf: schwing die Hufe! Da kennt mancher der alten Hasen beim Festival nix: er steht mit der Kamera und seiner 200er Brennweite immer auf dem gleichen Platz auf der Tribüne, brüllt ständig Kommandos, aber das einzige was sich beim Fotograf bewegt ist der rechte Zeigefinger.
Tu was für ein gutes Foto, verbessere den Hintergrund durch wechseln des Standorts. Fotografiere nicht immer aus Deiner Augenhöhe auf ein Modell das anderthalb Köpfe kleiner ist als Du. Benutze Dein Turnschuh-Zoom. Geh mal in die Hocke oder in die Knie. Und was eventuelle Grasflecken auf Deiner Hose betrifft: die Waschmaschine ist Dein Freund.

Sei kein Schwein, auch nicht gegenüber den anderen Fotografen. Früher oder später kommt man sich immer mal in die Quere. Dann mach Dein Bild, rücke zur Seite um einem Anderen auch die Möglichkeit zu geben und quetsche ruhig mal ein hörbares ‘Tschuldigung’ heraus.

Nicht um jeden Preis. Manchmal könntest Du Dir selbst in den Hintern treten, weil Du gerade das Foto Deines Lebens verpasst hast. Nimm’s gelassen.
Wenn Du freundlich bleibst und einen guten Eindruck hinterläßt (oder zumindest keinen schlechten), dann gibt man Dir später vielleicht doch noch eine zweite Chance.

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