‘Lebende Menschen fotografiere ich eher selten’
Ich lehne lässig an einer der Tribünen. Eigentlich sollten die Modells schon längst da sein, aber irgendwie dauert’s wieder mal länger.
Da komme ich mit meinem 2,15 Meter großen Nachbarn ins Gespräch. Er erzählt das er einmal im Jahr herkommt und sonst eigentlich eher selten lebende Menschen fotografiert. Wie bitte???
Schnell verstehe ich: er ist forensischer Fotograf bei der Polizei in einer britischen Großstadt.
Dann erzählt er ein bißchen über manche der Techniken die er bei seiner Arbeit anwendet und ich merke schnell, daß alles was ich aus Serien wie ‘CSI’ weiß Schnee von gestern ist.
Da kaufen FBI und britische Polizei hunderte von modifizierten Sigma-SLRs (gab’s auch schon von Fuji) bei denen die UV- und IR-Filter vor dem Sensor demontiert sind. Bei wenig Tageslicht und mit einer künstlichen IR- oder UV-Lichtquelle wird dann der Tatort ‘kachelweise’ fotografiert, vor Ort ausgewertet und dann werden an den hot spots Proben genommen.
Also kein großzügiges Einsprühen mit Luminollösung mehr, kein Herumrennen und mit den eigenen Augen nach Spuren suchen müssen - die Kamera erkennt es gewissenhafter und dokumentiert’s auch gleich für die Akte.
Ob das denn nicht schlimm sei, immer nur die Tatorte von Verbrechen zu fotografieren, frage ich ihn. Da lächelt der Riese und meint ‘Nein eigentlich nicht. Ich kann mit einer Kamera helfen Verbrechen aufzuklären. Schnell, akribisch und sicher.’
Wow, was man doch beim Smalltalk unter Fotografen so alles lernen kann. Dann kommen doch noch die ersten Modells und wir fangen beide an zu fotografieren. Lebendige Menschen. Sehr lebendige, Gott sei Dank.
Ja richtig, erlebt beim WBF 2008 in Seeboden. Auch der aus Langeweile oder Verlegenheit begonnene Smalltalk führt immer wieder zu interessanten Menschen und Erkenntnissen.
24. Juli 2008 um 13:20:19
Cool, schon spannend wie weit gefächert die Fotografie ist. Und wen man beim Bodypainting so trifft
24. Juli 2008 um 17:26:51
Ich war bei jedem Gespräch aufs neue überrascht mit welchem Hintergrund die Fotografen dort hin kamen. Profis wie Amateure, Landschafts- wie Werbefotografie, Mittelformatfans wie Bridge-Nutzer.
Und manche der Gespräche haben mich schon nachdenklich gemacht.