Bodypaintings outdoors (5): Gestaltungsfehler

[Mein persönlicher Erfahrungsbericht über das Fotografieren beim World Bodypainting Festival 2007 in Seeboden, Österreich.]

Kennt das eigentlich irgend jemand nicht? Du drückst auf den Auslöser und bist dir gewiss: “Das ist ‘der Schuss’, dieses Mal hast Du’s im Kasten. Endlich!” Bis das Chimping oder der irgendwann entwickelte Filmstreifen Dir zeigen: was Du nicht technisch versiebt hast, das ist dann einem der vielen Gestaltungsfehler zum Opfer gefallen. 

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Die besondere Situation beim World Bodypainting Festival macht’s nicht einfacher. Alles muß schnell gehen, das Gedränge ist groß, für Umbauten ist weder Zeit noch Platz da, die Ablenkung ist auch groß und die fotogenen Momente sind zwar reichlich, aber eben auch kurz. Also, was habe ich dort gelernt?

Der störende Hintergrund. Zu hell, zu dunkel, zu unruhig, unpassende Farben weil zu kontrastreich oder zu kontrastarm, …
2007-080-0031-e13-webgal.jpgDoch mit etwas Scouting und einem geübten Auge kann man viele dieser Fehler vermeiden. Ein Blitz ist sowieso immer dabei, Aufhellung also jederzeit möglich. Der M-Modus ist auch hier wieder Dein Freund: Blende vorgewählt, mit der Verschlußzeit den Hintergrund belichten (gerne auch unter- oder unterbelichten) und mit dem Blitz das Motiv im Vordergrund aufhellen.
Wenn das jetzt auch noch so gut eingeübt ist das es schon im ‘muscle memory’ liegt, dann geht es vielleicht auch noch ausreichend schnell :-) Ganz im Ernst: wahrscheinlich werde ich noch viel üben müssen damit mir so etwas ‘in Echtzeit’ auffällt, das Handeln ist das weniger das Problem.

2007-052-0031-e13-webgal.jpgWer übrigens Geld übrig hat, sollte bei der nächsten Investition in gutes Glas über lichtstarke Objektive nachdenken. Ein hässliches / schönes Bokeh fällt zwar schnell ins Auge, den meisten Betachtern wird aber nur langsam klar was Bokeh leisten kann.
Lichtstarke Teles haben hier den eingebauten Vorteil, doch auch das gute alte 50er Objektiv mit einer größten Blende von 1.7 oder 1.4 kann hier auch eine gute und günstige Investition sein.
Meine Herren: näher ans Motiv ran reduziert auch die Schärfentiefe und wertet Bilder teilweise ordentlich auf. Vielleicht mal ein klein wenig Bewegung und nicht von der dritten Reihe auf der Tribüne fotografieren …

The decisive moment. Ansprechend sind besonders jene Bilder, in denen alles passt: Pose, Gesichtsausdruck, Blickwinkel und Perspektive. Fehlt eines, dann ist das Bild vielleicht noch ‘ganz nett’.
2007-058-0022-e14-webgal.jpgDie Strategien den richtigen Moment zu erwischen sind unterschiedlich. 1) Der eine übt sich im Burst-Trick und watet später durch tausende von Bildern, 2) der andere beobachtet intensiv und erwischt den richtigen Augenblick mit Beobachtungsgabe und ein bißchen Glück.
Persönlich habe ich oft der ersten Philosophie gehuldigt und wechlse langsam ins Lager der ‘Beobachter’ über. Auch dann wenn die Zeit vergeht und kein passender Moment zu kommen scheint. Klasse, statt Masse. Passen Pose oder Gesichtsausdruck nicht, dann kann ich mich zumindest auf’s Fokussieren konzentrieren. Aber eines ist klar: sie sind da, die decisive moments. Deswegen gilt: Holzauge sei wachsam!

Welche Pose sieht gut aus? Eine einfache Frage, aber nicht ganz so einfach zu beantworten.
2007-076-0001-e04-webgal.jpgNicht jede  Pose wirkt bei jedem Modell und eine Bodybuilder-Pose bei einem Kätzchenpainting wirkt auch nicht wirklich.
Wer sein Auge hier schulen will dem sei folgendes empfohlen: Bilder anschauen. Und zwar viele Bilder, von möglichst unterschiedlichen Fotografen. Klar, auch in Workshops über Aktfotografie bekommt man sicher wertvolle Tipps, aber sein Auge schult man mit Bildern am ehesten. Anschließend aber das Üben nicht vergessen, bspw. in …?

Zu enger Ausschnitt. Als Diafotograf passiert besonders mir das immer mal wieder. Das Bildfeld tendenziell etwas weiter wählen hilft, croppen kann man später wirklich besser. Wenn schon nicht alles in den Sucher passt, dann sollte man bewußt entscheiden was angeschnitten wird. Angeschnittene Köpfe sind nicht wirklich der Bringer …

2007-044-0004-e13-webgal.jpgGo funky with your composition. Bei diesem Ereignis wird gerne mit langen Teleobjektiven aus dem Hinterhalt ‘geschossen’.
Warum eigentlich nicht mal mit einem extremen Weitwinkel ans Motiv? Auch der Kniefall bringt immer wieder eine dynamische Perspektive ins Bild.  Doch auch mit dem 50er oder einem Tele sind ungewöhnlich Perspektiven, Ausschnitte und Blickwinkel möglich. Warum nicht mal aus Perspektive eines Modells fotografieren, bspw. über die Schulter.

Das fixe ich nachher in der Post Production. Alles ist perfekt, nur das Modell schaut in die falsche Richtung? Sch… egal, die Augen aus einem anderen Bild ‘entliehen’ und in das fast perfekte Bild eingearbeitet.
2007-076-0013-e13-webgal.jpgLange schon werden auch Gestaltungsfehler am PC ausgebügelt. Vor den Meistern dieses Fachs ziehe ich meinen Hut, die Mehrheit der Ergebnisse findet man aber wohl eher auf Blogs wie Photoshop Desasters wieder. Anyway, meine Sache ist das nicht, ich gebe der ‘in camera’ Philosophie aus praktischen Gründen den Vorzug. Ich bin viel zu faul (und unbegabt) um stundenlang in GIMP glattzubiegen was ich in der Realität verpennt habe. 

Der nächste Artikel (so Gott will) befasst sich dann mit “Modell und Fotograf -  Points to Consider”.

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