Bodypaintings outdoors (4): Blitz-gescheit
[Mein persönlicher Erfahrungsbericht über das Fotografieren beim World Bodypainting Festival 2007 in Seeboden, Österreich.]
Zu wenig Umgebungslicht? Schatten aufhellen? Oder das Tageslicht mit einer künstlichen Lichquelle übertönen? Akzente mit einem Spot setzen?
In all diesen Fällen gelten zwei Regeln: a) der Blitz ist Dein Freund aber b) überlasse das Denken nicht dem Blitz, denke selbst mit. Hinter jeder der folgenden Fehlerquellen steckt eigene, leidvolle Erfahrung:
- Die Blitzleistung ist zu hoch / zu niedrig
- Probleme bei reflektierenden Materialien
- Schlagschatten
- Ein kleiner Reflektor bringt’s nicht wirklich, …
… die kleinste Softbox ist so handlich wie ein Zeppelin - Blitz verabschiedet sich in den Standby und blitzt nimmer
- Akkus gehen in die Knie und die Blitzfolge wird laaange
Blitzleistung steuern. Zu viel Blitzleistung wirkt oft künstlich, führt schnelle zu blassen Farben und Reflektionen (auf schweißnasser Haut oder reflektiven Farben). Eine zu geringe Leistung bringt einfach nicht den gewünschten Effekt - zugegeben, das macht die Automatik eher selten.
Moderne Belichtungsautomatiken haben das TTL-Blitzen stark revolutioniert. Das geht sogar soweit, das selbst im M-Modus die Leistung des TTL-Blitzes automatisch reguliert wird. Auch hier zahlt sich Mitdenken auf jeden Fall aus.
Ganz klar: so gerne ich auch Strobist-Gedankengut umsetze, die manuelle Leistungsregelung kommt für mich bei diesem Ereignis nicht in Frage. Aber: alle Profi- und Prosumerkameras (teilweise auch die Consumer-SLR) beherrschen die Blitzbelichtungskorrektur. Zusammen mit dem M-Modus und einiger Erfahrung geht hier einfach alles. Doch auch wer die manuelle Belichtungssteuerung (M-Modus) noch nicht beherrscht sollte mit der Blitzbelichtungskorrektur reichlich experimentieren.
Blitzlicht bei reflektierenden Materialien. Frontal auf der optischen Achse sitzende Blitze, besonders mit kleinen Reflektoren, führen bei reflektiven Oberflächen immer wieder zu hässlichen Spitzlichtern und Überstrahlungen, oft mit Verlust der Zeichnung.
Refelektive Materialien? Nun einige Beispiele im Falle Bodypainting: frische / feuchte Farben, schweissnasse Haut, Farben mit Glitzerpartikeln, Kunsthaarteile, lackierte Oberflächen, Glas- / Spiegelstücke, metallisch glänzende Gegenstände …
Wenn’s schnell gehen muss und die üblichen Studiotricks nicht umsetzbar sind hilft vielleicht immer noch:
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Blitz entfesselt am ausgestreckten Arm (mit Kabel!)
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Blitzleistung manuell steuern
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Blitzbelichtungskorrektur nach unten
Schlagschatten.Lichtformer. Kleine Blitzreflektoren erzeugen hartes Licht, mit harten Schlagschatten, Reflektionen und “plattgeblitzten” Motiven. Doch Lichtformer schaffen in Seeboden kaum Abhilfe, denn
- im Freien, bei hellem Sonnenlicht ist die Blitzleistung gering
- Lichtformer wie Softbox, Schirm und Co schlucken weitere Leistung
- ein Diffusor macht im Freien nur dann Sinn, wenn er die abstrahlende Fläche signifikant vergrößert - vergiß Deine ABBC oder den Omnibounce
- große Lichtformer gehen schon wegen ihres Platzbedarfs und den ständigen Remplern nicht wirklich
- sieht zwar doof aus, aber eine kleine (aufblasbare) Softbox, direkt auf den Blitz geschnallt ist wahrscheinlich noch die brauchbarste Lösung (habe ich nicht)
- lass die Lightsphere daheim, lass es einfach!
Blitz im Standby. Leider machen das manche Geräte ungefragt und unbemerkt. Der Blick ins Handbuch gibt Aufschluß ob dieses Merkmal auch abschaltbar ist. Ansonsten hilft nur häufige Kontrolle.
Akkuleistung. Gib nicht zu viel Geld aus, die teuersten NiMH-Akkus bringen nicht zwingend kürzere Blitzfolgen oder mehr Blitzausbeute. Hantieren mit einzelnen Ersatzakkus ist auch nicht wirklich lustig, mitten im Getümmel.
Wer auf kurze Blitzfolgezeiten und möglichst wenig Akkuwechsel wert legt, der nimmt einen großen Akkupack mit. Es müssen nicht die mit Hochspannung arbeitenden Packs im Wert einiger hundert Euro sein (bspw. Quantum Turbo), ein einfacher Pack (bspw. Al Jacob’s Black Box) reicht dicke.
Aber Obacht: kurze Blitzfolge bei hoher Leistung führt schnell zu thermischer Überlastung, sich verfärbende Frontscheiben bis hin zu schmelzenden Gehäusen können die Folge sein.
Die Wahl des Blitzgerätes. Im letzten Jahr war ein Enthusiast mit Prof… Studioblitz, Generator, Leuchtenstativ, Softbox und Funksynchronisation unterwegs. Das Zeug macht den Fotograf einfach unflexibel und so stand es dann meist ungenutzt irgendwo rum.
Ein gutes Speedlight (oder wie immer das bei Euch heißt) kommt auch bei mir wieder mit, inkl. Ersatz. Mein Lieblingsgerät wäre eigentlich mein Metz 60 CT 4, mit Piepsignalen, ohne Standby, reichlich Leistung, kurze Blitzfolge, Akku schnell gewechselt, …
Aber wer schleppt schon zweieinhalb Kilo Blitzgerät mit sich rum?
Mein persönliches Fazit in Sachen Bitzeinsatz: üben, üben, üben. Wer digital fotografiert sollte sich seine Bildergebnisse schon sehr genau anschauen. Zu wissen wo man hinschauen sollte trägt dabei zur Vorbereitung und zum Lerneffekt auf jeden Fall bei.
Um manche der vielen kleinen gestalterischen Ausrutscher geht es dann in der nächsten Folge.
Inhaltsverzeichnis der Artikelserie Bodypaintings im Freien
- Bodypaintings outdoors (1): Bildfehleranalyse?
- Bodypaintings outdoors (2): Fokus-Legasteniker
- Fokus-Legasteniker - Reloaded
- Bodypaintings outdoors (3): wo viel Licht ist, …
- Bodypaintings outdoors (4): Blitz-gescheit
- Bodypaintings outdoors (5): Gestaltungsfehler
- Bodypaintings outdoors (6): Umgang mit Modellen
- Seeboden 2008: was pack ich ein, …
Tags: Bodypainting, Erfahrungsbericht, Seeboden