Pimp my Lightsphere: auch kraftvoll im Freien?

Seeboden im Juli 2007: mit Blitzlicht aufgehellte Portrait- und Aktaufnahmen im Freien schreien nach einem Diffusor vor der Lichtquelle. Eine Softbox ist kaum praktikabel, ein Schirm schon garnicht.

Könnte da etwa Gary Fongs beliebte Wunderwaffe “Lightsphere” hilfreich sein? In einem seiner Youtube-Videos zeigt der Meister selbst wie’s geht: Blitz auf der Kamera, nach vorne ausgerichtet, der Domedeckel wirkt als Diffusor. Eigentlich ganz einfach.
Zwar habe ich zwei (Nachbauten von) Lightspheres und setzte die Teile auch gerne ein, aber Erfahrung hat mich gelehrt Gary’s Versprechen gegenüber vorsichtig zu sein. Es ist mal wieder so weit: eine kleine Bastelei und ein Test müssen her.

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Setzt man die Lightsphere wie im Video gezeigt ein, dann geht ein guter Teil der Lichtausbeute verloren. Die seitliche Abstrahlung ist völlig nutzlos.
Lichtleistung derart zu verschwenden hat einige Nachteile: Umherstehende könnten geblendet werden, die Blitzfolgezeit verlängert sich, Batterien werden schneller entladen, ggf. muss die ISO raufgedreht oder anderes Filmmaterial verwendet werden. Ähnliche Erfahrungen habe ich damals in Seeboden mit einem Stofen Omnibounce gemacht - weiches, schwaches Licht und leere Batterien.

Das Ziel der Bastelei und des Tests:

  1. das seitliche Abstrahlen von Licht aus der Lightsphere ist zu verhindern,
  2. ein Umbau soll schnell, einfach und stabil sein und
  3. wie wirkt sich die Bastelei auf die Lichtausbeute aus.

Offenbar bin ich nicht der einzige der die Lichtverschwendung in Gary’s Video suboptimal findet. Auf Youtube ist dann auch eine subtile Modifikation einer Lightsphere zu sehen mit welcher der seitliche Lichtaustritt ganz und für immer unterbunden wird - mit Sprayfarbe in silber und schwarz. Das müßte jetzt nur noch reversibel funktionieren.

Workaround 1: Alufolie in die Lightsphere reinmodellieren, Deckel drauf, fertig. Geht zwar, sieht aber sch… aus und ist alles andere als dauerhaft - die gute Alufolie landet anschließend im Müll.

2008-010d-0098-e01-webgal.jpgWorkaround 2: mit klarer Acrylbastelfolie, selbstklebendem Klettband, Sprühkleber und Alufolie werden Innereflektoren gebastelt. Diese kommen dann einfach in die Lightsphere hinein, Reflektor drauf und los gehts. Übrigens ist die Lösung an der Blitzseite nicht lichtdicht, wegen des Strahlengangs sollte der Leistungsverlust vernachlässigbar sein.

Wie man sieht wurden zwei Innenreflektoren gebastelt: einer mit durchgehend Alufolie und einer mit ca. 50%. Der zweit soll in Zukunft als Ersatz für den Chrome Dome getestet werden. Mein Chrome Dome ist ein Nachbau und er ist verglichen mit Alufolie nur mäßig reflektiv.

Test 1 - Lichtqualität: Testschüsse mit allzeit willigem Opfer im Innenraum zeigen klar das die Lichtqualität sich nicht verändert (im Freien schon garnicht) dafür kommt Gary’s Outdoormethode aber mit deutlich weniger Leistung aus.
Dennoch werden ich mir die Lichtqualität auch noch bei Portraits im Freien anschauen. Der glänzend lackierte Johnny ist eben doch nicht das ideale Opfer.

Test 2 - Lichtausbeute: die folgenden Blenden wurden unter folgenden Bedingungen gemessen: Leistung von 1/8, ISO 100, ohne Umgebungslicht, Blitzreflektor auf 24mm, Abstand Blitz-Objekt ca. 125cm, Lightsphere clear (kurz LS) mit weißem Dome, Blitzbelichtungsmesser.

  • Blitz direkt, kein Lichtformer -> Blende 5,4
  • Lightsphere zur Decke, weißer Dome -> Blende 1,4
  • Lightsphere nach vorne, weißer Dome -> Blende 3,1
  • Lightsphere zur Decke, Chrome Dome -> Blende 1,4
  • LS zur Decke, weißer Dome, Halb-Innenreflektor -> Blende 1,5
  • LS nach vorne, weißer Dome, Voll-Innenreflektor -> Blende 3,3
  • LS nach vorne, keine Dome, Voll-Innenreflektor -> 5,8
  • Ominbounce nach vorne -> Blende 4,0

Erstaunlich: die Lichtausbeute wird mit Voll-Innenreflektor zwar geringfügig besser, aber offenbar verläßt das Licht die Lightsphere in einem breiten Trichter. Dafür verantwortlich scheint aber hauptsächlich der Domedeckel zu sein. Das Streulicht welches die Lightsphere an der Seite verläßt ist also ein deutlich geringerer Teil, 1,5 bis 2 Blendenstufen geringer als die Abstrahlung durch den Domedeckel.
Dennoch sind die Ergebnisse um eine halbe Blende besser als beim normalen Omnibounce.

Potentielle Modifikationen: den Domedeckel könnte man probeweise gegen einen flachen, opaken Deckel austauschen. Leider habe ich gerade keinen zur Hand.

Fazit: Gary’s Tipp funktioniert, wenn auch mit 1,5 bis zwei Blenden Verlust. Der Workaround bringt keinen signifikanten Leistungsgewinn. Trotzdem: in Seeboden 2008 wäre es einen Versuch wert, dort ist die Lightsphere schon wegen der Aufnahmen in den Zelten mit dabei.

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Nachtrag: zoomyboy hat fast zeitgleich einen lesenswerten Artikel zu Bouncern, Beauty Dishes und anderen Lichtformern veröffentlicht.

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