Strobist, Teil 1: Wo fange ich an?
Oh, wie ich die plattgeblitzten Gesichter, die roten Augen, Schlagschatten knapp hinter dem Objekt und Haut die glänzt wie Speckschwarte satt habe! Klar, schuld ist öfter mal der Blitz direkt auf oder gar in der Kamera. Meistens aber Blitzen ohne zu denken.
Wie wär’s doch schön mit “entfesselten” Lichtquellen (gerne auch zwei oder mehr) und Lichtformern ein bißchen kreative Lichtführung in die eigenen Bilder zu bringen. Nach ersten eigenen Experimenten wird klar das mit einfachen Mitteln da einiges zu machen ist - ohne tausende Euro investieren zu müssen und ohne Studioblitze und Aggregate mit einer Sackkarre durch die Gegend fahren zu müssen. Da gibt’s doch bestimmt auch was im Internet dazu …
Die Strobist-Philosophie, die David Hobby losgetreten hat, verspricht viel Nutzen zum kleinen Preis.
Kern des Systems sind Kompaktblitzgeräte, gerne auch die billigeren Modelle ohne (x)TTL-Automatik. Denn Strobists arbeiten meist digital, regeln die Leistung ihrer Blitze manuell und nutzen Kameradisplay und Histogramm zur Erfolgskontrolle und als Belichtungsmesser.
Schon beim Lesen der ersten Artikel auf strobist.com lief mir das Wasser im Mund zusammen. Schlanke Leuchtenstative mit Schirm, Swivel, Kabel bzw. drahtlose Auslöser, ein bißchen Kleinkram, alles kompakt verstaubar. Ideal geeignet für fotografische Guerillaeinsätze.
In dieser Artikelserie berichte ich über Erfahrungen mit der Strobist-Philosophie und -Technicken, was gut zu adaptieren war und was nicht. Eigene Ideen und Beispiele werden die Serie dann abrunden.
Doch vor den Erfolg haben die Götter die Mühe gesetzt und so beginnt die Serie dann auch ganz am Anfang:
- was erwarte ich von der Strobist-Philisophie,
- für welches Strobist-Kit entscheide ich mich
- und wie ergeht’s mir bei der Bestellung?
Schade nur, daß alles mit einem Wunschzettel anfängt der so garnicht zur Strobist-Idee passsen will.
- Nutzbar für digitale und Filmfotografie
- Blitzbelichtungsmesser ist vorhanden
- Zwei Stativ-Schirm-Sets sollen es sein
- Kombinierbar vorhandenem Zubehör und Lichtformern
- Alles muss mit Zeugs anderer Strobists austauschbar sein
- Alle Blitze sollen bei Bedarf per Funk auslösbar sein (Cactus)
- Meine SLRs sind von Minolta / Sony, inkl. proprietärem Blitzschuh
- Vorhandene Systemblitze müssen sich nahtlos integieren
- Minolta-drahtlos-TTL-blitzen soll nutzbar bleiben …
- … genauso wie der Mischbetrieb
Schon klar: Nikon- und Canon-Nutzer sind unter den Strobists die Mehrheit, Minolta-/Sony-Freunde mit einem Blitzanschluss der mit nichts anderem auch nur mechanisch kompatibel ist haben es schwer. “Schwer haben” heißt aber noch lange nicht “geht nicht”. Also: ran ans Werk.
Welches Kit darf’s nun sein? Mir half es am Anfang erst mal einige Gedanken auf die Einzelkomponenten zu verwenden. Ein paar Tipps von einschlägigen Quellen (bspw. strobist.com oder Nsonics Blitzserie) und den ausführlichen Beschreibungen auf der Webseite von Midwest Photo Exchange waren sehr hilfreich. Die Möglichkeit sich ein Kit von einem Bekannten zu leihen ist klar der beste Berater.
Die Blitzgeräte: Strobists verwenden auch gerne mal preiswerte Modelle von Vivitar, wie die Modelle der 28x-Reihe. Für mich ein Rückschritt, meine Systemblitze von Minolta sind ganz praktisch und immer universell einsetzbar gewesen.
Sie passen perfekt zu meinen Kameras, damit leider aber nicht zu sonstigem Zubehör. Der Blitzschuh ist proprietär, passt nicht mal mechanisch zu irgend etwas anderem. Adapter sind notwendig, nur gut das sich solche im Lauf der Zeit reichlich angesammelt haben.
Blitzauslösung: soll per Funk erfolgen, am besten mit Cactus V2s. Ich arbeite jetzt schon ein paar Monate damit: klein, preiswert, robust. Die Fehlerquote ist höher als beim Wettbewerber Pocket Wizard, deren Geräte kosten aber auch das zehnfache.
Optische Auslösung will ich eigentlich nicht, in meiner Bastelkiste findet sich trotzdem genug derartiges Zeug - für den Fall der Fälle. Die Infrarot-Drahtlos-TTL-Steuerung bringen Kameras und Blitze zum Teil schon mit.
Stative und Swivel: sollten kompatibel zu meinen Klemmstativen und anderem Zubehör sein. Dank Standardgewinde ¼ kein Problem. Ansonsten gleichermaßen stabil wie klein und leicht. Ein kleiner Pferdefuß: mehr als zwei Meter sind in dieser Klasse selten drin.
Schirme und Lichtformer (light modifier): die Westscott Colapsible Umbrellas sind genau was ich mir vorstelle. Später kommt dann vielleicht noch ein deutlich größerer Schrim dazu - später.
Betreffs anderer Lichtformer bin ich nicht wählerisch, notfalls baue ich selbst.
Befestigung und Verpackung: die Sets kommen normalerweise mit einer Tasche. Auch hier bin ich gewohnt zu basteln und zu improvosieren.
Die Bestellung: meinen Wünschen kommen die beiden Sets Strobist PH2 lighting kit und Strobist SO2 lighting kit am nächsten. Gleichzeitig erweitere ich meinen Bestand von Cactus V2s (weitere zwei Empfänger und ein Sender).
Der Online-Shop von MPEX ist sehr übersichtlich und kinderleicht zu bedienen. bezahlt wird per Kreditkarte, die Bestellung wird per Email bestätigt und um Rückbestätigung der Versandkosten gebeten. Nach Bestätigung per Email geht’s dann los (theoretisch).
Versandkosten: Boris hat eine sehr ausführliche Betrachtung auf seinem Blog / Podcast, ich teile seine Meinung voll und ganz - dafür kann man’s nicht selber machen.
Die Lieferung: dauert bei mir ungewöhnlich lange. Auf Strobist.com kommt eine Meldung das MPEX die Swivel ausgegangen sind und längere Zeit nicht lieferbar sein werden. Nach zwei Monaten kommt eine Entschuldigung, der Sachbearbeiter hätte gebummelt, arbeitet jetzt nimmer bei MPEX, Bestellung geht jetzt sofort weiter. Ich bleibe gespannt … und warte geduldig.
Inhaltsverzeichnis der Artikelserie Strobist
Tags: DIY, MPEX, Strobist Kit