Was bin ich bereit für ein Foto zu tun?

Freitag Abend, 18 Uhr: die sowjetische Raumfähre Buran liegt auf einem Schubverband im Naturhafen von Speyer. Morgen soll sie rollen, also mache ich beim Weg nach Hause einen kleinen Schlenker und scoute.
2007-069-0025-edit01-webgal.jpgZu sehen ist zwar einiges, aber die Buran ist hinter Bäumen ein bißchen versteckt. Also mit dem Weitwinkel nah ran, auch wenn die Bürolatschen im Schlamm leiden müssen. Andere stören die Äste und Blätter auf ihren Fotos offenbar weniger - zumindest sehen deren Schuhe und Hosenbeine dann auch sauberer aus. Sei’s drum.

Einen Tag später rollt die Buran am Nachmittag los. Frühzeitig hin, Auto so geparkt das ich nachher wieder wegkomme, dafür laufe ich halt eine Weile zum Startpunkt. Den Weg säumen hunderte Menschen, darunter auch viele Fotografen. Fotografen mit Stativ, Klappstuhl und Kühltasche.
Na gut, das Raumfahrzeug ist heute mobil, die Fotografen müssen’s deswegen ja nicht auch sein.

Bepackt mit mehreren Kilo Ausrüstung im Tragesystem habe ich meinen Spaß, fotografiere unterschiedlichste Perspektiven, wechsle häufiger das Obektiv (ich bin nun mal ein Freund von Festbrennweiten) und bin per pedes ziemlich viel unterwegs.
2008-008d-0233-e01.jpgAuf dem Rückweg passiere ich dann wieder die selben immobilen Fotografen (begrüßt durch Rufe wie “hey, ge mal weg da vorne, Du stehst mir im Bild”) und wundere mich warum da nur aus 20 Meter Entfernung mit ‘nem langen Zaun im Hintergrund und jeder Menge Volk im Vordergrund fotografiert wird. Warum bloß bewegt sich keiner von denen?

Ähnliche Erfahrungen habe ich schon öfters gemacht, unter anderem beim World Bodypainting Festival 2007 in Seeboden. 2007-052-0022-edit01-webgal.jpgDa stehen dann dutzende Fotografen mehrreihig auf den Tribünen vor den kleinen Bühnen, pflaumen Kollegen an (”Verdammt, geh jetzt endlich aus’m Bild”) und rufen den Modell’s ihre (unbeholfenen) Wünsche zu (”Hierher schauen”, “Lächeln”, “Böse gucken” - zumindest das geht dann irgendwann ganz von selbst).
Ansonsten sind die Fotografen dann wieder eher immobil.

Klar, einem Modell verlangt man einige Kunststücke ab, aber der Fotograf selbst? Keine Positionswechsel für eine andere Perspektive, kein Knieen auf dem Boden für eine Froschperspektive, kein Sneaker-Zoom.
Von einem Standort aus wird dann mit Suppenzoom geschossen was das Zeug hält -  und wehe ein armer Wicht gerät zufällig in die “Schußlinie”.

Liebe Immobil-Fotografen klärt mich auf. Macht Ihr da ein “Fotografieren ohne mich zu bewegen”-Assigment oder ist Bewegung neuerdings nicht mehr hipp? Ich hänge mich weiß Gott nicht aus einem Helikopter für “den Schuss”, aber ein bißchen Bewegung und Arbeit, eingesaute Klamotten und müde Füße nehme ich schon mal in Kauf für’n gescheites Bild (oder die Hoffnung auf eines). Was seid Ihr bereit für ein Foto zu tun?

Eine Antwort zu “Was bin ich bereit für ein Foto zu tun?”

  1. Steffen sagt:

    Ein schlauer Mann (Thomas Hoepker) hat mal gesagt:

    “Das wichtigste Werkzeug eines Fotografen sind seine Füße.”

    Davon scheinen diese Kollegen noch nix gehört zu haben :-)

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